15.
Die Kaiserin Eudokia frommen Angedenkens kam von Afrika zurückrück 462 und hörte von ihrem Schwiegersohn Olybrios ruhmvollen Angedenkens die Geschichte dieses frommen Mannes. Und sie ward sehr erfreut und besuchte die Mandra des Heiligen und betete und empfing seinen Segen und sprach: Alles, was mir mein Sohn Olybrios berichtet hat, fand ich übertroffen bei deinem Engel, und auch die Weissagung von meiner Ankunft, die du ihm unten im Tempel gegeben hast, ist mir nicht verborgen geblieben. Deswegen bin ich hergekommen, um auch von Angesicht deinen Anblick zu genießen und vollkommen gesegnet zu werden. Und nun, wenn es dir nach dem Sinn ist: Ich habe hier viele und geeignete Grundstücke, und ich bitte dich, auf einen mir gehörigen Platz überzusiedeln, ich will gern alles tun, was dein Herz begehrt. Da antwortete ihr der Heilige : Der Gott, der uns Sündern im Fleisch das Antlitz deiner Frömmigkeit gezeigt hat, möge euch nach eurem Glauben zu dem irdischen auch das himmlische und ewige Königtum schenken ! Was aber die Übersiedelung anlangt, so wißt auch ihr, daß der Herr verbietet, von einem Ort zum andern zu ziehen, sondern, wo einer berufen ist, da soll er nur Gott zu Gefallen seinen Wandel führen 1. Kor. 7, 24 und da bleiben, bis er aus diesem Zelte geht. Da nun der Herr mich einmal hierhin gestellt hat, so geht es nicht an, daß ich von hier fortgehe. Denn, wie deine Frömmigkeit sieht, ist der Ort öde, und wir brauchen nicht erst einen Platz zu suchen, wo Ruhe ist. Das hörte die gläubige Kaiserin Eudokia und erbaute sich an allem und stieg vom Berge herab.
Am folgenden Tage aber kam die ältere Tochter des vorhin erwähnten vornehmen Herrn Kyros, die hatte einen bösen Geist; aber als sie einige Zeit bei der Mandra verweilt hatte, erlangte sie von Gott Heilung. Und als sie nun von dem Dämon gereinigt war S. 17 und nach Hause kam, machte sich ihr Vater Kyros auf und dankte Gott und dem frommen Mann und bat ihn, daß er eine Inschrift: an der Säule anbringen dürfe, und da der Gerechte ihn nicht betrüben wollte, gestattete er es. Und er ließ in die Säule folgende Inschrift einmeißeln : „Hier steht der Mann furchtlos, taub gegen die tobenden Winde, nährt seinen Leib mit himmlischem Brot und unirdischem Durste. Wurzel ist seinem Fuß doppelter Säule Gestell. Symeon eifert er nach, und von der Jungfrau Sohn kündet dem Volke sein Mund.“ Das ist noch jetzt auf der Säule zu lesen zum Gedächtnis dieses Mannes.
