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Ein Mann reiste aus dem Morgenlande nach Konstantinopel und fiel unter die Räuber: die nahmen ihm ab, was er bei sich trug, und schnitten ihm die Sehnen der Kniekehlen durch und ließen ihn halbtot liegen. Da fanden ihn fromme Wanderer, hoben ihn auf und brachten ihn nach Ankyra, denn in der Nähe dieser Stadt war das Unglück geschehen. Der Bischof ließ ihn in das Krankenhaus führen und dort pflegen: aber den Gebrauch seiner Füße erlangte er nicht wieder. Da sprach er zum Bischof: Weil ich zum Gebet nach Konstantinopel wollte zum heiligen Daniel, der auf der Säule steht, ist mir das widerfahren. Nun laß mich meinen Plan ausführen und nach Konstantinopel zu dem heiligen Manne gehn. Der Bischof erfüllte seine fromme Bitte und gab ihm Lebensmittel, ein Reittier und zwei Begleiter mit. Der heilige Daniel nahm sie freundlich auf und ließ dem Bischof durch die Boten Dank sagen. Den Kranken aber übergab er seinen Dienern und hieß sie, ihn täglich, wenn das Gebet stattfand, in die Mandra tragen, denn seine Füße hingen wie tot herab, und ihn mit Heiligenöl salben. Und nach wenigen Tagen, an einem Freitag, betete der Heilige nach seiner Gewohnheit und als alle das Amen gesprochen hatten, sprang der Mensch plötzlich seinen Wächtern aus den Händen, stand auf seinen Füßen und rief mit lauter Stimme: Segne mich, Knecht Gottes! und lief und stieg auf die Stufen, umfaßte die Säule und dankte Gott.
Es verdient aber auch der verborgene Glaube eines zweiten Hauptmanns von Kapernaum namens Hippensios erwähnt zu werden, der in der Armut Christi so reich war, daß er als seine eigenen Taten aufnahm, was seine Jünger ausrichteten. Denn wenn jemand in seinem Hause krank war, Sohn oder Tochter, Sklave oder Sklavin, oder ihnen sonst etwas zugestoßen war, so bat er schriftlich um ein Gebet, da er sich der S. 45 Fürbitte für unwert erachtete. Wenn er dann die Antwort des Heiligen empfing, legte er den Brief wie die wunderwirkende Hand Jesu auf den Kranken und empfing sofort die Früchte seines Glaubens.
