18.
Zu jener Zeit wurde durch göttliches Wirken dem Heiligen offenbart, daß ein großer Zorn vom Himmel über die Stadt kommen werde: er teilte dies dem seligen Erzbischof Gennadios und zugleich dem Kaiser mit und ermahnte sie, deshalb Bittprozessionen abzuhalten. Da aber das Fest des heilbringenden Leidens Christi nahe war, wollten sie das Volk nicht beunruhigen, damit nicht die ganze Stadt zum Feste in Trauer liege; und als das heilige Fest vorüber war, wurde die Sache ganz vergessen. Der selige Kaiser Leo frommen Angedenkens aber erwog bei sich, wie oft er den Heiligen schon bewährt erfunden und wie viel Wohltaten er durch seine frommen Gebete genossen habe, und ließ deshalb durch einen Hofmarschall demvorerwähnten Erzbischof bedeuten, er möge sich zu dem Heiligen hinaufbegeben und ihm die Weihe zum Presbyter erteilen. Der aber wollte nicht und ließ dem frommen Kaiser durch den Boten allerlei Ausreden bestellen. Da wurde der Kaiser zornig, schickte nochmals zum seligen Gennadios und ließ ihm sagen: Wenn du hinaufgehen willst, so tu es: ich gehe jedenfalls, und Gottes Wille geschieht. Da bekam jener Furcht und stieg mit einigen Klerikern der Kirche zur Mandra des Heiligen hinauf: dem Heiligen aber wurde der Zweck seines Kommens vorher offenbart. Der Erzbischof redete ihn an: Vater, segne deine Kinder! Der Heilige antwortete: Deine Heiligkeit möge uns und sie segnen! Gennadios fuhr fort: Längst schon wollte ich kommen und mir eurer Gebete Genuß verschaffen. Nun laß bitte deine Leiter anlegen, damit ich komme und deinen Segen voll genieße. Denn Gott möge deiner Heiligkeit die Überzeugung erwecken, daß ich nur aus mannigfaltiger Behinderung durch kirchliche Geschäfte dies nicht schon längst habe tun können. Aber der Knecht Gottes gab ihm, als er das hörte und wie er bat, die Leiter anzulegen, keinerlei Antwort mehr. Und obwohl alle seine Genossen ihn gleichfalls baten, gestattete er es nicht, und so ging der Tag hin. Da nun die Volksmenge in der Sonnenhitze vor Durst verschmachtete und der Bischof sah, daß er nichts ausrichte, befahl er dem Archidiakonos, ein Gebet zu sprechen. Und er selbst trat auch hin und sprach Gebete und S. 20 weihte so durch Gebet den Heiligen zum Priester, dann sagte er: Segne uns, Herr Presbyter, denn von jetzt ab bist du durch Gottes Gnade Priester. Während ich mein Gebet sprach, hat dir Gott von oben her die Hand zur Weihe aufgelegt! und das Volk schrie stundenlang: Würdig ist er!
