2.
Die Eltern des heiligen Daniel hießen Elias und Martha, und er stammte aus der Gegend von Samosata in Mesopotamien aus einem bescheidenen Dorfe namens Meratha, das bedeutet übersetzt ,Höhle’. Seine Mutter aber war lange unfruchtbar und wurde deshalb von ihrem Mann und den Verwandten gescholten. Da verließ sie einmal um Mitternacht ohne Willen ihres Mannes das Haus, streckte die Hände gen Himmel und betete: Herr Jesu Christe, der Du langmütig die Sünden der Menschen ansiehst, der Du am Anfang der Welt das Weib geschaffen hast zur Mehrung des Menschengeschlechtes, nimm selbst die Schmach von mir und schaffe meinem Leibe Frucht, damit ich sie Dir weihe, dem Herrn des Weltalls. Und sie weinte bitterlich und zerknirschte ihr Herz mit vielem Schluchzen und ging wieder hinein zu ihrem Mann. Und als sie bei ihm schlief, erblickte sie im Nachtgesichte zwei große kugelförmige Lichter vom Himmel herabfahren und auf sie zukommen. Als sie wach geworden war, erzählte sie es ihrem Mann und ihren Verwandten und jeder deutete die Sache anders, sie aber seufzte tief und sprach bei sich : Mein Gott, zu dem ich betete, wird tun, was meiner armen Seele nützlich ist. Und wenige Tage später empfing sie, und gebar danach den Heiligen 409.Und als er fünf Jahre 414 geworden war, brachten ihn seine Eltern in ein Kloster und nahmen einige Opfergaben mit. Als sie nun der Abt nach dem Namen des Kindes fragte, und sie diesen angaben, rief der würdige Mann: So soll er nicht heißen, sondem den Namen soll er führen, den uns der Herr offenbaren wird. Und er gebot ihm in syrischer Sprache: Geh hin, Kind, und hole ein Buch von jenem Tisch. Denn es ist Sitte in den Klöstern, daß vielerlei Bücher auf einem Tisch vor dem Altar liegen, damit jeder von den Brüdern nehmen und lesen kann, was er will. Der Knabe ging hin S. 3 und brachte das Buch des Propheten Daniel und bekam davon seinen Namen. Aber ins Kloster aufnehmen wollte der Abt das Kind noch nicht, und so mußte es wieder mit seinen Eltern heimkehren. Als er jedoch zwölf Jahre 421 alt geworden war und vernahm, daß ihn seine Mutter Gott geweiht hatte, da verließ er das Dorf ohne jemand ein Wort zu sagen und wanderte zehn Meilen weit, bis er in ein Kloster mit fünfzig Brüdern kam. Dessen Abt nahm ihn nach vielem Bitten auf, und er lebte mit den Brüdern zusammen. Seine Eltern aber suchten ihn, und fanden ihn nach einiger Zeit im Kloster. Da freuten sie sich sehr und baten den Abt, ihn zu scheren. Der erwog, wie das Kind in gottseligem Wesen fortgeschritten war, ließ den Knaben holen und fragte ihn: Kind, soll ich dich scheren? Da fiel der Knabe ihm zu Füßen und rief: Ich bitte deine Heiligkeit, tu es noch heute! Aber der Abt sprach: Du kannst die Mühsal des Mönchtums nicht ertragen! Der Knabe erwiderte: Ich weiß, daß ich jung und schwach bin, aber ich vertraue auf Gott und eure Gebete, daß der Herr, der mein Gelübde annimmt, mir auch die Kraft geben wird. Da unterwies ihn der Abt nach der Einsicht, die ihm gegeben war, und versammelte alle Brüder und legte ihm unter Hymnengesang das heilige Kleid an. Dann entließ er die Eltern mit Geschenken und hieß sie nicht häufig zu ihm kommen.
