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Er sah aber auch den Tod des Kaisers Zenon 9. April 491 voraus und ließ es ihm durch jemand sagen, der regelmäßigen Zutritt zu ihm hatte: erst andeutungsweise, später ganz unumwunden. Und uns sagte er noch voraus, daß die Christusliebende Ariadne nach dem Tode ihres Gemahls das Reich beherrschen werde, um des vollkommenen Glaubens ihrer Väter willen. Und ihr Mitregent wird ihr Christusliebender S. 47 Mann sein, der sein ganzes Leben dem Lobgesang Gottes und den Nachtwachen gewidmet hat, der allen ein Mutter der Sittenstrenge ist und an Leutseligkeit die Kaiser aller Zeiten übertrifft, und die Habsucht verabscheut, die nach dem Apostel die Wurzel alles Übels 1. Tim. 6, 10 ist. Ohne Ansehn der Person leitet er untadelig den Staat, und den heiligen Kirchen wie dem Stande der Mönche wird er Frieden und Freiheit zu seinen Zeiten schenken. Vor ihm wird der Reiche nicht mehr und der Arme nicht weniger gelten, und das wird die schönste Wohltat sein, die er in Krieg und Frieden der Welt beschert. Und das alles zeigte sich nach kurzer Zeit. Denn als Anastasios zum Kaiser ausgerufen war 11. April 491-518, erkannte die Welt durch die Tat die Wahrheit jener Weissagungen, und namentlich die Genossen des Heiligen in der Mandra erfuhren jede Art von Wohltaten. Denn als der fromme Mann zum erstenmal erkrankte und seinen Tod erwartete, trafen Anastasios und seine Gemahlin Ariadne in göttlichem Eifer alle Vorsorge zur Ehrung seines Andenkens. Einen großen Sarg aus einem kostbaren riesigen Marmorblock ließen sie hinschaffen, der noch bis zu dieser Stunde neben der Mandra steht, und von allen Besuchern angestaunt wird. Und alles was sie zur Bestattung vorgesehen hatten, schickten sie in prächtiger Ausführung hinauf, und es ist überflüssig zu sagen, daß das fromme Paar sich durch reiche Geschenke jede Mühe gab, es an nichts fehlen zu lassen. Als der Diener Gottes wieder gesund wurde, erkannte er ihre freigebig mit guten Gaben hervorquellende Liebe und sagte: Das ist alles wahrhaft großartig und des Glaubens an Gott würdig und wohl geschickt, ihnen die Gunst des Himmels zu gewinnen. Für sich aber wollte er von dem prachtvollen marmornen Ruhebett nichts wissen, denn er sehne sich nur nach der Erde, entsprechend dem göttlichen Gebote: Erde bist du und zur Erde sollst du wieder gehen 1. Mose 3, 19. Das Kaiserpaar möge von Gott eine vielfältige Vergeltung empfangen, er aber wolle zu unterst in die Erde gelegt werden, und auf ihn möge man die Gebeine heiliger Märtyrer legen, damit, wenn jemand mit gläubigem Gemüt sich seinem Sarge nahen wolle, er vor den Heiligen kniee und von ihnen die Vergeltung für seine Guttaten empfinge und sich so von der Verdammung löse. Und das haben wir bei seiner zweiten Krankheit und wirklichem Hinscheiden nach seinem Befehl ausgeführt. Denn auf seinem verehrungswürdigen S. 48 Sarge liegen die Gebeine der hochheiligen drei Männer Ananias, Azarias und Misael, die im feurigen Ofen sangen Daniel 3: die hat Kaiser Leo frommen Angedenkens zu Lebzeiten des Heiligen aus Babylon holen lassen. Und beigesetzt hat sie der heiligste Erzbischof der Kaiserstadt Euphemios 489 - 496, der durch seinen Eifer um die Ehrung des Heiligen alle überboten, so daß wir die Trennung von dem seligen und hochberühmten Vater gar nicht empfinden.
