7.
Als so der Teufel zum andern Mal seine Untertanen verjagt sah, hetzte er wiederum jene Leute auf, daß sie zum Erzbischof gingen und sagten : Herr, du hast ja Macht über uns, aber wir können jenen Mann nicht mehr ertragen. Heiß ihn von dort weggehn, denn er ist ein Betrüger. Da schickte der selige Anatolios den Richter der heiligen Kirche nebst den Häschern hin, und sie brachen bei Nacht die einstige Türe mit Hebeln auf und führten den Heiligen in die Stadt. Und als sie in die erzbischöfliche Wohnung kamen, fragte ihn der selige Anatolios : Wer bist du und wie bist: du in diese Gegend gekommen? Und sage uns, welches dein Glaube ist? Der Knecht Gottes aber legte durch einen Dolmetscher seinen untadeligen Glauben dar. Da erhob sich der selige Anatolios und gab ihm einen Kuß und lud ihn ein, in seinem Hause zu bleiben. Die Leute aber, die ihn angezeigt hatten, entließ er mit den Worten: Geht und verhaltet euch ruhig, ich habe große Erbauung an diesem Mann gefunden! Da mußten sie gehen und ihn im Hause des Erzbischofs lassen.
Während dessen aber verfiel der Bischof in eine schwere Krankheit. Da ließ er den Heiligen zu sich rufen und bat ihn, ein Gebet für ihn zu sprechen, damit er von der Krankheit frei werde. Und Gottes Macht erhörte das Gebet und der Bischof wurde geheilt. Da drang er in den Heiligen, daß er bei ihm im Hause bleiben und bei ihm wohnen solle, und als er dies nicht erlangen konnte, schlug er vor, ihm eine Zelle, ja ein bescheidenes Kloster auf einem der kirchlichen Grundstücke vor der Stadt zu bauen. Aber der Heilige erwiderte: Wenn du mir einen Gefallen tun willst, so bitte ich deine Heiligkeit, laß mich wieder dorthin, wohin mich Gott geführt hat. Und so kehrte er zurück in den Tempel, und mit Freude und Frohlocken kam das Volk wieder zu ihm, und viele Heilungen geschahen, so daß alle staunten ob der freundlichen Gnade, die der Herr Christus auf seinen Knecht ausgegossen hatte, ja selbst seine früheren Verfolger ließen nunmehr nicht ab, ihm zu dienen und in jeder Weise gefällig zu sein. Er aber lebte in seiner vorigen Art im Tempel und verkehrte durch einen kleinen Türspalt mit dem Volke. S. 9
