24.
S. 24 Im folgenden Jahre kam ein überaus harter Winter und die härene Kutte des heiligen Mannes wurde von den schneidenden Winden zerzaust wie Werg: und als sie schon so verdorben war, entriß der Sturm dem Heiligen das Fell und schleuderte es in einiger Entfernung in eine Schlucht. So stand der Heilige die ganze Nacht im Schneegestöber, und die bitterkalten Winde trafen ihn ins Gesicht, so daß er zuletzt wie eine Salzsäule aussah. Und auch als es Morgen wurde, blieb er in dieser Lage, denn vor der Gewalt des Sturmes konnte die Leiter nicht zu ihm geschleppt werden, so daß er schließlich ohne Atem und fast tot war. Endlich trat durch Gottes Barmherzigkeit eine Windstille ein, und sie brachten die Leiter herauf. Da sahen sie, wie seine Haupt- und Barthaare an den Leib angebacken waren vor Eis, und sein Gesicht ganz von Eis bedeckt wie ein Spiegel, so daß es unsichtbar war; reden oder sich bewegen konnte er überhaupt nicht. Da schafften sie eilends Eimer mit warmem Wasser und große Schwämme nach oben und tauten ihn teilweise auf, aber sie brachten ihn nur mit Mühe so weit, daß er sprechen konnte. Da sagten sie zu ihm: Vater, du bist in Gefahr gewesen ! Da antwortete er ihnen sofort, wie aus dem Schlafe aufwachend: Kinder, glaubt mir, bis ihr mich aufgeweckt habt, war ich in tiefer Ruhe. Als der unerträgliche Sturm mich packte und meine Kleider mir vom Leibe riß, hatte ich von der Gewalt der Winde wohl eine Stunde zu leiden, und als mir die Sinne schwanden, rief ich den barmherzigen Gott um Hilfe an und wurde wie in einen Schlaf versenkt. Und ich glaubte auf einem prächtigen Lager zu ruhen und von kostbaren Decken durchwärmt zu werden. Und mir zu Häupten sah ich einen ehrwürdigen Alten auf einem Throne sitzen: es schien mir derselbe zu sein, der mir unterwegs begegnet war, als ich die Mandra des heiligen und seligen Symeon verlassen hatte.Und er redete mit viel Liebe und Herzlichkeit zu mir und zeigte mir einen großen Sperber, der aus dem Osten kam und in unsere große Stadt hineinflog: der fand in der Säule auf dem Forum des frommen Kaisers Leo ein Adlernest und ließ sich in das Nest nieder, und hauste mit den jungen Adlern zusammen, und nun erschien er nicht mehr wie ein Sperber, sondem wie ein Adler. Ich fragte den Alten, was das bedeute? Er aber sagte zu mir: das brauchst du jetzt noch nicht zu wissen, später wirst du es begreifen.S. 25 Und indem er mich zärtlich umarmte. sagte er freundlich zu mir: Ich habe dich sehr lieb und möchte bei dir sein. Aus deiner Wurzel werden viele Früchte sprießen. Und wie wir noch frohlockend mit einander sprachen, da habt ihr mich aufgeweckt, sehr zur Unzeit, denn ich freute mich der Begegnung mit jenem Manne.
