26.
Um jene Zeit um 464 kam zum Kaiser ein Isaurier namens Zenon mit Briefen, welche Ardaburios, der damalige Feldherr im Morgenlande, geschrieben hatte. Darin stiftete er die Perser an, in das römische Gebiet einzufallen und versprach ihnen seine Hilfe. Der Kaiser empfing den Boten, und als er die Bedeutung der Briefe erkannte, ordnete er einen Konvent an. Und als der Senat versammelt war, legte der Kaiser die Briefe vor und ließ sie vor den Ohren aller Senatoren durch den zeitigen Oberhofmeister Patricius verlesen. Danach fragte der Kaiser: Was dünkt euch? Und als alle schwiegen, sprach er zu dem Vater des Ardaburios: Das sind schöne Dinge, die dein Sohn für das Reich und den römischen Staat plant! Der gab zur Antwort: Du bist der Herr und hast die Macht. Ich kann meinen Sohn nach diesem Brief nicht mehr im Zaum halten. Denn oftmals habe ich ihm geschrieben und ihn dringend ermahnt, seiner Seele nicht Schaden zu schaffen, aber wie ich sehe, tut er das Gegenteil. Was deiner Frömmigkeit dienlich scheint, das mag geschehen. Mach seinem Treiben ein Ende, laß ihn hierherkommen, da mag er Rechenschaft ablegen.
Als das der Kaiser gehört hatte, setzte er den Ardaburios ab, entkleidete ihn seines militärischen Ranges und befahl ihm, aufs schnellste nach Byzanz zu kommen. Und er beförderte an seine Stelle den Jordanes und sandte ihn dorthin. Und den Zenon beförderte er auch zum Obersten der Leibgarde, und führte ihn in feierlichem Zuge mit hinauf zu dem Heiligen und erzählte diesem von dem Verrat des Ardaburios und der Treue des Zenon. Die Leute erzählten dem Heiligen aber auch von Jordanes, daß ihn der Kaiser zum Oberfeldherrn im Morgenlande ernannt habe; da freute er sich und sprach warm für ihn vor dem Kaiser und allen andern, und entließ sie dann mit seinem Gebet.
