17.
Eine Dirne namens Basiane war eben aus dem Morgenlande nach Byzanz gekommen und betörte viele nach solchen lüsterne Frauenjäger. An diese machten sich einige Ketzersöhne und stifteten sie an und sagten: Wenn du den Mann auf der Säule in Anaplus oder einen seiner Genossen zu irgend einem Ärgernis bringen kannst, bekommst du von uns hundert Goldstücke. Das schamlose Weib versprach es ihnen und machte sich mit großem Gefolge von Sklaven S. 18 und Sklavinnen auf, stellte sich krank und schlug in der Vorstadt ihre Wohnung auf gegenüber der Mandra des Frommen. Da sie nun eine geraume Zeit dort verweilt und gar nichts ausgerichtet hatte, wollte sie doch ihr Geld gewinnen, kam deshalb wieder heim und log ihren Liebhabern vor: Mir ist es gelungen, den Mann zu ködern! Er hat sich in meine Schönheit verliebt und seinen Schülern befohlen, mich auf der Leiter zu ihm heraufzuführen. Da ich mich weigerte, stellten sie mir nach und wollten mich umbringen, und ich bin nur mit genauer Not ihren Händen entgangen. Da glaubten seine Feinde gewonnenes Spiel zu haben und gaben die Geschichte weiter an alle gleich übel Gesinnten, und bald lief sie überall um, und es standen Gläubige gegen Ungläubige. Da schritt der Gott der Wahrheit ein und schirmte nach seiner Gewohnheit seinen Knecht und ließ die zuchtlose Basiane mitten in der Stadt von einem gewaltigen Dämon qualvoll gepackt werden, so daß sie ihre Verleumdung und die ganze Komödie bekannte, zu welcher die Übelgesinnten sie gegen den Heiligen angestiftet hatten, und was sie getan, um das Geld zu gewinnen. Und sie nannte nicht nur die Namen, sondern auch ihre Titel und Würden. Das gab einen Umschwung der Stimmung! Die Gläubigen triumphierten und die Ungläubigen, die den Gerechten schon hatten steinigen wollen, schwiegen beschämt. Das Weib aber litt viele Tage schrecklich, bis sich die christlichgesinnten Einwohner der Stadt ihrer erbarmten und sie zu dem Heiligen führten und ihn baten, für sie ein Gebet zu Gott zu sprechen, damit sie geheilt würde. Der Knecht Gottes aber sprach zu ihnen: Glaubt mir, meine Lieben, die früheren Schmähungen galten mir ebensoviel wie jetzt das Lob: denn grundloses Lob ist keine Wohltat und ungerechte Schmähung kein Schade. Wer seine Seele Gott geweiht hat, freut sich mehr über falsche Schmähungen, denn sie schaffen ihm Lohn, als über wahres Lob, denn es führt zur Überhebung. Nach diesen Worten, da alle ihn baten, der Unglücklichen zu verzeihen, die sie zerknirscht vor der Säule erblickten, hieß er die Leute aufstehen und beten. Und er reckte seine Hände gen Himmel vor aller Augen und bat Gott mit Tränen viele Stunden lang, sie zu heilen. Da riß sie der Dämon zur Erde und fuhr zur selben Stunde aus. Und er ließ ihr Heiligenöl zu trinken geben, und so kam sie zu sich, stand auf, umschlang die S. 19 Säule und pries Gott. Und alle, die zugegen waren, dankten Gott, der dem Heiligen solche Gnade gegeben hatte, und sie nahmen sie mit Freuden mit sich und gingen davon.
