25.
Da erwiderten ihm seine Schüler: Wahrlich, wir bitten dich, wir waren in großer Angst, denn wir glaubten, deine Heiligkeit sei gestorben. Aber was meinst du, Vater, daß dies Gesicht zu bedeuten hat? Er antwortete: Ich weiß es nicht genau, aber Gott wird tun, was ihm wohlgefällt und zu unserm Besten ist. Seine Schüler aber versuchten das Gesicht zu deuten und meinten: Du mußt aus dem Morgenlande durch Vermittelung des Kaisers den Leichnam des heiligen und seligen Symeon in unsere Stadt holen lassen. Denn wie aus dem Gesicht hervorgeht, wird der heilige und selige Symeon daran seine Freude haben. Der Knecht Gottes aber sagte zu ihnen: Bringt mir eine andere härene Kutte und bekleidet mich damit.
Dies kam aber auch dem seligen Kaiser Leo zu Ohren und er sagte: Es ist nicht recht, daß er nackt und ohne Obdach dasteht und sich Gefahren aussetzt. Und er stieg zu ihm hinauf und redete ihm zu, daß er sich einen Windschutz aus Eisen in Form eines Wagenstuhles machen lasse. Aber der Fromme wollte nicht und sagte: Unser heiliger Vater Symeon hatte nichts derartiges, obwohl er viel älter war als ich, und so ist es billig, daß ich, der ich noch jung bin, kämpfe und nicht die Ruhe aufsuche, welche den Leib verweichlicht. Aber der Kaiser erwiderte ihm: Wahr gesprochen, Vater, und ich erkenne deinen Vorsatz an, zumal ich sehe, daß auch Gottes Hilfe nicht untätig bleibt. Um derentwillen wird dir der Siegeskranz geflochten. Aber wirke doch bitte noch viele Jahre für uns und töte dich nicht mit einem Male! Denn Gott hat dich uns zur Erquickung geschenkt! Durch solche Worte überredete er den Seligen mit Mühe, seinen Vorschlag anzunehmen. Schließlich tat er es und war in Zukunft vor dem Sturme geschützt. Alle Besucher aus fremden Ländern, Fürsten, Könige und Gesandten nahm er regelmäßig mit sich hinauf oder schickte sie hin, und er war stolz auf den Heiligen, zeigte ihn allen und pries seine Kämpfe. S. 26
