15.
Celsus setzt Dinge, die für Gott unmöglich und nicht geziemend sind, nach seiner Annahme hin und sagt: „ Wenn dies über den allmächtigen Gott geweissagt würde, müßte man solche Dinge deshalb von Gott glauben, weil sie vorher gesagt werden?“ Er meint folgern zu können, dass es, auch wenn die Propheten solche Dinge über den Sohn Gottes wahrheitsgemäß vorausgesagt haben, doch für uns unmöglich wäre, den Voraussagungen, dass er [so] leiden oder handeln müsse, Glauben zu schenken. Hierzu bemerken wir, dass seine Voraussetzung widersinnig ist und bewirken würde, dass Dinge, die schließlich in Widersprüchen endigen müssen, miteinander verknüpft werden. Dies läßt sich folgendermaßen nachweisen. Wenn Männer, die in Wahrheit Propheten des allmächtigen Gottes sind, sagen, „Gott werde Knechtesdienste verrichten oder immerdar krank sein oder sterben“, so werden diese Dinge an ihm geschehen; denn die Propheten des großen Gottes müssen S. 658 notwendigerweise die Wahrheit sprechen. Andererseits, wenn auch Männer, die in Wahrheit Propheten des allmächtigen Gottes sind, eben diese Dinge verkünden, so dürfte doch das, was die Propheten sagen, nicht an Gott geschehen, da das von Natur Unmögliche nicht wahr sein kann. Finden wir nun, dass zwei Schlüsse, die von demselben Obersatze ausgehen, zu entgegengesetzten Folgerungen gelangen, so wird nach dem Beweise, der seinen Namen von „den zwei verbundenen Vordersätzen“ hat, die in den beiden Vordersätzen verbundene Annahme aufgehoben, was in diesem Falle „die Voraussagung der Propheten ist, dass der große Gott Knechtesdienste verrichten oder krank sein oder sterben werde;“ und es wird dieser Schluß in folgender Weise gewonnen: Wenn1 das erste richtig ist, so ist es auch das zweite; wenn das erste richtig ist, so ist es nicht auch das zweite; also ist auch das erste nicht richtig.
Die Stoiker bringen aber auch bei der Materie diese Schlußfolgerung an, indem sie sagen: Wenn du weißt, dass du gestorben bist, [so bist du gestorben; wenn du weißt, dass du gestorben bist],so bist du nicht gestorben. Daraus ergibt sich der Schluß: Du weißt also nicht, dass du gestorben bist. Auf diese Art aber erläutern sie die verbundenen Sätze: Wenn du weißt, dass du gestorben bist, so ist das richtig, was du weißt; es ist also richtig, dass du gestorben bist. Und wiederum: Wenn du weißt, dass du gestorben bist, so ist auch richtig, dass du weißt, dass du gestorben bist. Da aber der Gestorbene [nichts] weiß, so ist klar, dass, wenn du weißt, dass du gestorben bist, du nicht gestorben bist. Und es ergibt sich, wie ich vorher sagte, aus beiden Sätzen der Schluß: du S. 659 weißt also nicht dass du gestorben bist. Etwas Ähnliches gilt auch von der Voraussetzung des Celsus, deren Wortlaut wir oben mitgeteilt haben.
von zwei Dingen ↩
