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Wenn aber beim Einführen von Personen die Tüchtigkeit und Untüchtigkeit eines Schriftstellers wirklich so, wie wir angegeben haben, zutage tritt, dann hat man doch wohl Grund, über Celsus zu lachen, da er die Christen Dinge sagen läßt, die von ihnen nicht ausgesprochen werden. Denn wenn diejenigen, die er reden läßt, ungebildete Leute sind, wie sollen denn solche Personen zwischen Sinneswahrnehmung und Denken, zwischen sinnlich und geistig wahrnehmbaren Dingen unterscheiden und in ähnlicher Weise wie die Stoiker, welche geistige Wesenheiten leugnen, darüber Bestimmungen treffen können, dass „das, was erfaßt wird, mit den Sinnen erfaßt wird“, und dass alle Wahrnehmung von den Sinnen abhängt? Sollen aber seine Personen solche Männer sein, die Philosophie treiben und nach Kräften sorgfältig die Lehren Christi prüfen, so hat er auch sie nicht reden lassen, wie sie reden müßten. Denn keiner, der weiß, dass Gott unsichtbar ist, und dass es einige unsichtbare, das heißt nur geistig erkennbare Geschöpfe gibt, wird wohl zur Verteidigung „der Lehre von der Auferstehung“ die Frage stellen: „ Wie sollen diejenigen Gott erkennen, die ihn nicht durch die Sinne erfassen?“ oder:„Was kann man denn ohne sinnliche Wahrnehmung lernen?“
Nicht in fernab liegenden und nur von wenigen lernbegierigen Personen gelesenen Schriften, sondern in solchen, die allgemein bekannt sind, stehen die Worte: „Das unsichtbare Wesen Gottes wird von Erschaffung der Welt her an seinen Werken durch das Denken gesehen“1 . Aus dieser Stelle ergibt sich, dass die im Leben stehenden Menschen, wenn sie sich zu der Natur der geistigen Dinge erheben wollen, S. 688 zwar mit den Sinnen und den sinnlich wahrnehmbaren Dingen beginnen müssen, aber durchaus nicht bei den sinnlich wahrnehmbaren Dingen stehenbleiben dürfen. Die Christen werden auch nicht sagen, es sei unmöglich, ohne sinnliche Wahrnehmung die geistigen Dinge kennzulernen„; und wenn sie die Frage stellen: Wer ist denn imstande, ohne sinnliche Wahrnehmung2 zu lernen?“ so werden sie doch nachweisen können, dass Celsus ohne allen Grund hier die Worte beigefügt hat: „ Das ist nicht die Stimme eines Menschen, auch nicht der Seele, sondern die Stimme des Fleisches.“
