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Hieraus erhellt klar und deutlich, dass Jesus, "der Nazoräische Mensch", keine Anordnungen trifft, die den angeführten Aussprüchen über den Reichtum und die Menschen, welche seiner verlustig gehen, zuwiderlaufen, wenn er sagt, dass es für den Reichen schwer sei, in das Reich Gottes einzugehen; mag man nun unter dem Reichen einfach einen Menschen verstehen, der vom Reichtum umstrickt ist und durch ihn wie durch Dornen gehindert wird die Früchte des Wortes zu bringen1 , oder mag man dabei an einen solchen Menschen denken, der reich an falschen Lehren ist, und von dem es in "den Sprichwörtern" heißt: "Besser ein Armer, der gerecht ist, als ein Reicher, der mit Lügen umgeht"2 . Wahrscheinlich hat Celsus von folgenden Schriftworten: "Wer unter euch der erste sein will, der soll aller Diener sein"3 und "Die Herrscher der Völker unterjochen sie, und ihre Machthaber lassen sich 'Wohltäter' nennen4 entnommen, dass Jesus ein Verbot der Herrschsucht geben wollte, das, wie man annehmen muß, nicht im Gegensatz steht zu der Verkündigung: "Du wirst über viele Völker gebieten, über dich aber werden sie nicht gebieten"5 , besonders wenn man die Worte so versteht, wie wir sie erklärt haben.
Im folgenden macht Celsus eine Bemerkung über die Weisheit; er bildet sich ein, "Jesus lehre, der Weise habe keinen Zutritt zum Vater". Wir wollen ihn fragen, was er für einen Weisen meine. Wenn er nämlich diesen meint, der seine Eigenart hat nach der sogenannten "Weisheit dieser Welt, die Torheit bei Gott S. 670 ist"6 , dann geben wir ihm Recht und sagen, dass ein Weiser dieser Art "keinen Zutritt zum Vater habe". Versteht man aber unter "der Weisheit" Christus, da Christus "Gottes Kraft und Gottes Weisheit" ist, so behaupten wir, dass ein solcher Weise nicht nur Zutritt zum Vater habe, sondern dass sich auch vor den nicht so beschaffenen Weisen derjenige gar sehr auszeichne, der mit der Gnadengabe, die "Wort der Weisheit" genannt und "durch den Geist gegeben wird"7 , geschmückt ist.
