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Hierauf nun und auf alles, was Celsus1 , weil er ihre Wahrheit nicht anschauen kann, als allgemeine Überzeugung hinstellt mit der Behauptung, dies sei auch bei den Griechen ausgesprochen worden, ist folgende Antwort zu geben. Wenn die Lehre nützlich und ihr Inhalt verständig ist, und wenn sie sich von Griechen ausgesprochen findet, bei Plato oder sonst einem der griechischen Weisen, von den Juden aber bei Moses oder einem der Propheten und von den Christen in den aufgezeichneten Worten Jesu oder in Äußerungen bei einem seiner Apostel, so darf man das, was bei Juden oder bei Christen gelehrt wird, nicht deshalb tadeln, weil es auch bei Griechen gesagt worden ist, um so weniger, wenn sich nachweisen läßt, dass die Bücher der Juden älter sind als die der Griechen. Auch darf man andererseits nicht denselben Gedanken, wenn er in das schöne Gewand der griechischen Sprache gekleidet ist, für durchaus besser halten, als wenn er, in schlichte Form und einfache Wendungen gefaßt, bei Juden oder Christen erscheint.
Indessen ist die erste Ausdrucksweise der Juden, in der die Propheten uns ihre Bücher hinterlassen haben, in hebräischer Sprache überliefert, die bei jenen eine weise Zusammensetzung und Gliederung aufweist. Soll man aber zeigen, dass die übereinstimmenden Lehren, wenn die Sache auch seltsam zu sein scheint, sogar besser bei den Propheten der Juden oder in den Schriften der Christen ausgedrückt sind, so muß man den Beweis nach einem von der Nahrung und ihrer Zubereitung entnommenen Beispiel so führen. Man denke sich eine gesunde Speise, die den davon Essenden Kraft zu geben fähig ist, aber auf eine Weise zubereitet und mit solchen leckeren Zutaten gewürzt, dass S. 717 sie dem Geschmack der Bauern und Landarbeiter und armen Leuten, die an solche Dinge nicht gewöhnt sind, widersteht und nur den Reichen und Verweichlichten mundet. Man nehme ferner an, diese nämlich Speise sei nicht so zubereitet, wie die Feinschmecker es lieben, sondern so, wie die armen Leute und die Bauern und die Mehrzahl der Menschen zu essen gewohnt sind, und werde von all den Tausenden verzehrt. Wenn nun der Annahme zufolge die auf die eine Art zubereitete Speise allein der Gesundheit der Feinschmecker zuträglich ist, während niemand von der großen Menge auf solche Nahrungsmittel verfällt, die auf die andere Art zubereitete Speise aber der großen Masse der Menschen Gesundheit und Kraft verleiht; wem werden wir da wegen der heilsamen Speisen wohl mehr Beifall schenken, wenn wir auf das gemeine Wohl Rücksicht nehmen? Etwa den Männern, die für die Gebildeten die Speisen in nützlicher Weise zubereiten, oder denen, die dasselbe für die große Menge tun? Nehmen wir auch an, die Speise bewirke dieselbe Gesundheit und dasselbe Wohlbefinden, mag sie nun auf diese oder auf jene Art zubereitet sein, so legt uns doch offenbar gerade die Menschenliebe und das Gemeinschaftsgefühl nahe, dass der Arzt, welcher für die Gesundheit der großen Menge sorgt, der Gesamtheit mehr nützt als der, welcher sich mehr um die Gesundheit weniger bemüht.
von unserer Lehre ↩
