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Celsus verweist uns dann an „Plato“, der nach seiner Meinung „ein noch tüchtigerer Lehrer“ über Gott und göttliche Dinge ist, indem er von ihm die Worte aus dem „Timaios“ anführt, die so lauten: „ Den Bildner und Vater dieses Weltganzen zu finden, ist mühevoll, ihn aber allen mitzuteilen, wenn man ihn gefunden hat, ist unmöglich.“ Diesen Worten fügt er die Bemerkung bei: „Ihr seht, wie von Sehern und [Philosophen] der Weg der Wahrheit gesucht wird, und wie Plato erkannt hat, dass auf diesem zu gehen für alle unmöglich ist. Da ihn aber weise Männer zu dem Zweck gefunden haben, dass wir von dem unbenennbaren ersten Wesen irgendeine Vorstellung erhalten könnten, die es deutlich macht entweder durch Zusammenstellung mit anderen Dingen oder durch Unterscheidung von ihnen oder durch einen Vergleich mit ihnen, so will ich zwar das lehren, was sonst mit Worten nicht ausgedrückt werden kann, würde mich aber wundern, wenn ihr mir zu folgen vermöchtet, da ihr ganz und gar an das S. 695 Fleisch gefesselt seid und nichts Reines schauen könnt.“ Ich leugne nicht, dass die angeführten Worte Platos erhaben und bedeutsam sind, gebe aber zu bedenken, ob es nicht ein Zeichen viel größerer Menschenliebe ist, wenn die Heilige Schrift von dem „im Anfange bei Gott“ weilenden Gott, dem Worte spricht, das „Fleisch“ wird1 , damit das Wort fähig sei, zu allen zu kommen, von dem Plato sagt, dass es, „auch wenn man es gefunden habe, unmöglich sei, allen es mitzuteilen“.
Plato mag nun immerhin sagen, „den Bildner und Vater dieses Weltganzen zu finden sei mühevoll“, indem er es für die menschliche Natur als [nicht] unmöglich hinstellt, Gott nach Würdigkeit „zu finden“, oder, wenn nicht nach Würdigkeit, doch wenigstens in höherem Grade gegenüber der großen Menge. Wenn dies sich so verhielte und Gott in Wahrheit von Plato oder einem2 Griechen gefunden worden wäre, so würden sie wohl nichts anderes3 verehren und Gott nennen und anbeten; sie hätten ihn dann nicht verlassen oder den erhabenen Gott nicht mit Dingen in Verbindung gebracht, die sich nicht mit ihm vereinigen lassen. Wir dagegen lehren, dass die menschliche Natur nicht hinreichend befähigt ist, Gott irgendwie „zu suchen“ und „in reiner Weise zu finden“,wenn ihr nicht Hilfe zuteil wird von dem, den sie sucht. Dieser läßt sich aber von denjenigen finden, die alles tun, was in ihren Kräften steht, und dann bekennen, dass sie seiner bedürfen, und offenbart sich denen, die er seiner Erscheinung für würdig hält, so, wie Gott eben von einem Menschen erkannt werden kann, und soweit eine menschliche Seele, die noch mit dem Leibe verbunden ist, ihrem Wesen nach Gott zu erkennen vermag.
