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Wenn aber Plato sagt, "dass es für den, der den Bildner und Vater des Weltganzen gefunden habe S. 696 unmöglich sei, ihn allen mitzuteilen", so behauptet er nicht, dass er "unaussprechlich und unbenennbar" sei, sondern dass er mit Worten ausgesprochen, aber nur wenigen mitgeteilt werden könne. Dann scheint Celsus den Ausspruch Platos, den er eben angeführt hatte, wieder vergessen zu haben, wenn er Gott in diesen Worten als "unbenennbar" bezeichnet: " Da ihn aber weise Männer zu dem Zweck gefunden haben, dass wir von dem unbenennbaren ersten Wesen irgendeine Vorstellung erhalten könnten." Was nun uns betrifft, so lehren wir, dass nicht nur Gott "unaussprechlich" ist, sondern auch noch andere Dinge es sind, die ihm nachstehen. Auf diese fühlte Paulus sich gedrungen hinzuweisen, wenn er sagt: "Er hörte unaussprechliche Worte, die kein Mensch wiedergeben darf"1 . Das Wort "hören" gebraucht er hier in der Bedeutung von "verstehen", ebenso wie in der Stelle: "Wer Ohren hat zu hören, der höre!"2 . Wir lehren also, dass es "mühevoll" ist, "den Bildner und Vater des Weltganzen" zu sehen. Er wird aber gesehen, nicht nur auf Grund dieses Wortes: "Selig sind, die rein im Herzen sind, denn sie werden Gott schauen"3 , sondern auch nach der Versicherung desjenigen, der "das Bild des unsichtbaren Gottes"4 ist, in dieser Stelle: "Wer mich gesehen hat, hat auch den Vater gesehen, der mich gesandt hat"5 . Kein vernünftiger Mensch wird hier wohl annehmen, Jesus habe in den Worten: "Wer mich gesehen hat, hat auch den Vater gesehen, der mich gesandt hat", seinen sinnlichwahrnehmbaren und von den Menschen geschauten Leib gemeint.
Denn sonst würden alle diejenigen, welche riefen: "Kreuzige ihn, kreuzige ihn"6 , wie auch Pilatus der "Macht" über das menschliche Teil Jesu erhalten hatte7 , zu jenen gehören, die Gott den Vater gesehen haben, was ungereimt ist. Dass die Worte: "Wer mich S. 697 gesehen hat, hat auch den Vater gesehen, der mich gesandt hat", nicht die gewöhnliche Auffassung zulassen, erhellt aus der Antwort, die Jesus dem Philippus gab: "So lange Zeit bin ich bei euch, und du hast mich nicht erkannt, Philippus?"8 . Diese Antwort gab er ihm auf seine Frage und Bitte: "Zeige uns den Vater, und es genügt uns!"9 . Wer also erkennt, wie man über den eingeborenen Sohn Gottes, der selbst Gott ist, den Erstgeborenen "aller Schöpfung"10 , denken muß, insofern als "das Wort Fleisch geworden ist"11 , der wird einsehen, wie man den Vater und Bildner dieses Weltganzen" erkennen kann, wenn man "das Ebenbild des unsichtbaren Gottes"12 geschaut hat.
