21.
Wir wollen aber auch das betrachten, was Celsus weiter von Gott sagt, und wie er uns auffordert, wir sollten uns der Dinge bedienen, die in Wahrheit den Götzenbildern oder, besser gesagt, den Dämonen dargebrachte Opfer sind, welche aber unser Gegner, der nicht weiß, was das wahrhaft Heilige ist, und von welcher Art die dort dargebrachten Opfer sind, als heilige Opfer bezeichnen würde. Was er aber sagt, ist folgendes. "Gott fürwahr ist allen gemeinsam, er ist gut und bedürfnislos und ohne Neid; was hindert also die besonders ihm Geweihten daran, auch an den offentlichen Festen teilzunehmen?" Ich weiß nicht, durch welchen Gedankengang er zu der Meinung gekommen ist, daß aus dem Satze: "Gott sei gut und bedürfnislos und ohne Neid" der andere folge: "Die ihm geweihten sollten an den öffentlichen Festen teilnehmen". Nach meiner Meinung würde aus dem S. 756 Satze: "Got sei gut und bedürfnislos und ohne Neid" der andere, daß "man gerade an den öffentlichen Festen teilnehmen müsse", nur dann folgen, wenn nachgewiesen würde, daß "die öffentlichen Feste" nichts Verkehrtes an sich haben, sondern auf Grund einer1 Erkenntnis Gottes als seinem Dienst und der ihm gebührenden Ehrfurcht entsprechend eingeführt worden sind.
Wenn freilich "die öffentlichen Feste", die dies nur dem Namen nach sind, keinen sichern Beweis dafür bieten, daß sie zu dem Dienste für die Gottheit passen, sondern wenn im Gegenteil erwiesen würde, daß sie Erfindungen von Leuten sind, die sie beliebig wegen gewisser Ereignisse der Geschichte eingesetzt haben, oder von denen sie auch glauben, daß sie philosophischen Lehren über Wasser oder Erde oder die von ihr kommenden Feldfrüchte darstellen, so dürften offenbar diejenigen, welche die Gottheit nicht ohne Prüfung verehren wollen, etwas Vernünftiges tun, wenn sie an den "öffentlichen Festen" nicht teilnehmen würden.Denn "ein Fest" ist, wie sich einer der griechischen Weisen vortrefflich ausdrückt, "nichts anderes, als seine Pflichten2 erfüllen. Und ein Fest feiert in Wahrheit, wer "seine Pflichten erfüllt", beständig betet und in den Bitten, die er an die Gottheit richtet, ihr unaufhörlich unblutige Opfer darbringt. Deshalb scheinen mir diese Worte bei Paulus einen großartigen Gedanken zu enthalten: "Ihr haltet Tage und Monate und Festzeiten und Jahre? Ich fürchte, ich möchte umsonst an euch gearbeitet haben."
