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Dann gleicht Celsus wiederum Leuten, die sich von der Besessenheit bisweilen erholen, dann aber wieder1 zu Boden fallen; denn wie wenn er zur Vernunft gekommen wäre, spricht er sich folgendernaßen aus: „Falls dir freilich jemand befehlen würde, wenn du gerade Gott verehrst, entweder gegen ihn zu freveln oder sonst etwas Schändliches zu sagen, so darf man ihm auf keine Weise irgendwie Vertrauen schenken, sondern muß lieber alle Folterqualen standhaft ertragen und jede Todesart auf sich nehmen, bevor man über Gott etwas Unheiliges nicht nur sagt, sondern auch denkt.“ Da er aber unsere Lehre nicht kennt und außerdem alles durcheinander bringt, stellt er dann sofort wieder eine solche Behauptung auf: „Wenn aber jemand befehlen würde, die Sonne zu preisen oder die Athene mit aller Hingebung durch einen schönen Lobgesang zu feiern, so wirst du offenbar auf diese Weise viel mehr den großen Gott ehren, wenn du auch diese2 besingst. Denn die Gottesverehrung, die sich auf alle bezieht, wird dadurch vollkommener.“
Hierzu bemerken wir, daß wir nicht erst auf einen warten, „der uns befiehlt, die Sonne zu preisen“; denn wir sind gelehrt worden, nicht nur die „zu preisen“, S. 814 welche der3 Ordnung untertan sind, sondern auch die Feinde. Wir „preisen“ also „die Sonne“ als ein schönes Geschöpf Gottes, das seine Gesetze beobachtet und das Gebot hört: „Preiset den Herrn, Sonne und Mond“ und auch nach kräften den Vater und den Schöpfer des Weltalls besingt. Von „Athene“ aber, die4 neben „die Sonne“ gestellt wird, haben die griechischen Gelehrten manche Sagen erdichtet, sei es, daß diese einen geheimen Sinn enthalten, oder nicht. Sie behaupten, Athene sei in voller Waffenrüstung aus dem Haupte des Zeus geboren worden; als dann Hephaistos sie eines Tages in der Absicht verfolgte, ihr die Jungfräuliche Ehre zu rauben, sei sie ihm entkommen; aus dem Samen aber, der dem Gott in der Brunst5 auf die Erde gefallen war,6 Athene geliebt und auferzogen und Erichthonios genannt habe, den wie es heißt, Athene einst „Pflegte, die Tochter des Zeus; ihn gebar die ernährende Erde“. Wir sehen also, daß, wer die Athene als Tochter des Zeus gelten läßt, daneben viele Sagen und Fabeln annehmen muß, die wohl niemand anerkennen dürfte, der die Fabeln meidet und nach der Wahrheit sucht.
