29.
Man muß freilich wissen, daß die Juden, die das mosaische Gesetz richtig zu verstehen glauben, es mit den Speisen so halten, daß sie nur solche genießen, welche bei ihnen für rein gelten, und sich der unreinen Speisen enthalten; sie verwenden kein Tierblut zu ihrer Nahrung und essen auch von keinem Vieh, das von wilden Tieren zerrissen worden ist, auch nicht von anderen Dingen, über die viel zu sagen wäre, so daß deshalb jetzt eine Untersuchung darüber nicht am Platze ist. Die Lehre Jesu dagegen, welche alle Menschen zu der reinen Gottesverehrung berufen und verhindern will, daß durch solche beschwerliche Speisegesetze gar viele ferngehalten werden, deren Sitten durch das Christentum gebessert werden könnten, enthält den Ausspruch: „Nicht das, was in den Mund eingeht, macht den Menschen gemein, sondern was vom Munde ausgeht;“ „denn“, sagt sie, „was zu dem Munde eingeht, kommt in den Unterleib und wird in den Abort ausgeworfen“; was aber „aus dem Munde herauskommt, das sind aufgesprochene böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsches Zeugnis, Gotteslästerung“. Auch Paulus sagt: „Speise wird uns nicht zu Gott führen, denn wir habenkeinen Vorzug, wenn wir essen“. Weil aber dieser Gegenstand eine gewisse Dunkelheit an sich hat, wenn er keine genaue Auslegung erhält, so „beschlossen die Apostel Jesu und die Ältesten“, die zu S. 765 Antiochia versammelt waren, und , wie sie selber sich ausdrückten, „der Heilige Geist“, an die gläubig gewordenen Heiden ein Schreiben zu richten, das ein Speiseverbot nur für das, wie sie es nannten, „unbedingt Notwendige“ enthielt; dies ist aber entweder „das Götzenopfer oder das Erstickte oder das Blut“.
