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Celsus erwähnt dann sonderbarerweise den freudigen Mut der Christen, die bis auf den Tod käpfen, um nicht ihren christlichen Glauben abschwören zu müssen, und stellt dann in weiteren Bemerkungen unsere Lehren gewissermaßen den von den „Weihepriester“ und „Mysterienvorstehern“ verkündeten Lehren gleich, indem er sagt: „Vor allen, mein Bester, wie du an ewige Strafen glaubst, so tun das ebensogut die Erklärer jener heiligen Handlungen, Weihepriester und Mysterienvorsteher. Dieselben Strafen, die du den andern androhst, drohen jene auch dir an. Was von beiden der Wahrheit mehr entspricht oder siegreicher erscheint, das darf man wohl prüfen; denn beide Parteien versichern mit gleicher Bestimmtheit, daß auf ihrer Seite die Wahrheit sei. Will man aber Beweise haben, so zeigen jene Priester gar viele auf, die klar und überzeugend sind, indem sie Taten von gewissen dämonischen und wahrsagenden Mächten auch aus mancherlei Orakelstätten vorbringen. “
Durch diese Worte will also Celsus glauben machen, daß wir und „die Weiheprister“ über „die ewigen Strafen“ die gleiche Lehre vortrügen, und will prüfen, auf welcher Seite mehr die Wahrheit sei. Ich möchte nun behaupten, daß die Wahrheit bei denen sei, welche die Hörer ihrer Worte beeinflussen können, als soche zu leben, die von der Wahrheit des Gehörten überzeugt sind. Das ist nun bei den Juden und Christen der Fall gegenüber der Lehre von dem künftigen Leben, wie sie es heißen, und den Belohnungen, die dort den S. 789 Gerechten, und den Strafen, die den Sündern in Aussicht stehen. Celsus, oder wer sonst Lust hat, nag also zeigen, wer denn die sind, die von den „Weihepriestern und Mysterienvorstehern“ hinsichtlich der „ewigen Strafen“ beeinflußt worden sind. Denn die Absicht des Urhebers dieser Lehre ist natürlich nicht nur darauf gerichtet gewesen, daß man einer Gewissenspflicht genüge und über die „Strafen“ spreche, sondern darauf, daß man die Zuhörer bestimme, mit aller Kraft die Handlungen zu meiden, welche die Strafen zur Folge haben. Aber auch die Prophezeiungen scheinen mir, wenn man sich mit der in ihnen enthaltenen Erkenntnis der Zukunft gründlich beschäftigt, geeignet zu sein, den verständigen und einsichtsvollen Leser davon zu überzeugen, daß Gottes Geist in jenen Propheten wohnte. Mit deren Schriften kann keine „der aufgezeigten dämonischen Taten“, keine Äußerung „der wahrsagenden Mächte“ oder „der Orakelstätten“ auch nur im entferntesten verglichen werden.
