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Es ist dem Celsus, so scheint mir, auch zu Ohren gekommen, dass es Schriften gibt, die die bildlichen Erklärungen des1 Gesetzes zum Inhalt haben. Aber diese Schriften hat er nicht gelesen, denn sonst würde er nicht sagen: „ Die vermeintlichen bildlichen Deutungen wenigstens, die man ihnen zu geben versucht hat, sind noch viel garstiger und abgeschmackter als die Fabeln selbst; denn mit einer ganz wunderlichen und völlig S. 368 unbegreiflichen Dummheit stellen sie Dinge zusammen, die sich schlechterdings nicht vereinigen lassen.“ Er meint damit wahrscheinlich die Schriften des Philo oder der noch älteren Schriftsteller, wie die des Aristobulos. Vermutlich aber hat Celsus diese Bücher nicht gelesen; denn sie sind nach meiner Ansicht an vielen Stellen so2 abgefaßt, dass selbst griechische Philosophen von diesen Ausführungen gefesselt werden dürften; wir finden dort nicht nur einen gewählten Stil, sondern auch treffliche Gedanken und Lehren und eine vorzügliche Behandlung derjenigen Teile der Schrift, die Celsus für „Fabeln“ hält. Ich weiß ferner, dass der Pythagoreer Numenios, ein ausgezeichneter Erklärer der platonischen Schriften und ein tüchtiger Vertreter der pythagoreischen Lehren, an vielen Steller seiner Schriften die Worte des Moses und der Propheten anführt und nicht ohne Wahrscheinlichkeit sinnbildlich deutet. Dies geschieht z.B. in einem Werke, das den Titel „Epops“3 hat und in seinen Abhandlungen Über die Zahlen und Über den Raum.
In dem dritten Buche seiner Schrift Über das höchste Gut führt er auch eine Geschichte von Jesus an, jedoch ohne dessen Namen zu nennen, und gibt ihr eine bildliche Deutung; ob diese richtig oder falsch ist, das kann ein anderes Mal besprochen werden. Er erzählt auch die Geschichte von Moses und Jannes und Jambres. Wir führen diese Tatsache nicht an, um damit zu prunken, lassen aber den Numenios viel mehr gelten als den Celsus und andere Griechen; denn seine Lernbegierde hat ihn veranlaßt, unsere Geschichten näher zu prüfen und von ihnen den Eindruck zu gewinnen, dass sie sinnbildlich zu verstehen und nicht als törichte Schriften zu betrachten sind.
