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Hierauf sagt Celsus: „Nicht ist das Sichtbare dem Menschen1 gegeben, sondern jedes einzelne entsteht und vergeht dem Heile des Ganzen zuliebe, entsprechend dem vorher erwähnten Wechsel auseinander und zueinander.“ Es erübrigt sich bei der Widerlegung dieser Worte länger zu verweilen, da diese von uns, so gut wir konnten, schon oben gegeben ist. Auch darüber haben wir schon gesprochen: „ Weder dürfte das Gute oder das Böse unter den sterblichen Wesen mehr oder weniger werden.“ Auch dazu haben wir uns schon geäußert: „ Noch hat Gott nötig, seine Werke immer wieder zu verbessern.“ Aber „auch nicht wie ein Mensch, der etwas mangelhaft angefertigt S. 389 und ungeschickt gearbeitet hat, bringt Gott eine Verbesserung an der Welt an, in dem er sie durch Überschwemmung oder Verbrennung reinigt“ , sondern nur in der Absicht, die weitere Ausbreitung der Lasterhaftigkeit zu verhüten. Und ich bin der Überzeugung, dass er die Lasterhaftigkeit auch in geordneter Weise2 ganz und gar vertilgt, zum Heile des Ganzen. Ob aber nach der Vernichtung der Lasterhaftigkeit die Annahme einen Sinn hat, dass sie wiederum Bestand gewinnt oder nicht, das ist eine Frage, die in einer eigenen Abhandlung erwogen werden soll. Gott will also „durch eine neuerliche Verbesserung“ immer nur das Verfehlte wieder gut machen. Denn wenn von ihm auch bei der Erschaffung der Welt alle Dinge in schönster und vollkommenster Weise gebildet worden sind, so mußte er doch nichtsdestoweniger eine Art von Heilung bei denjenigen in Anwendung bringen, die an der Krankheit der Sünde leiden, sowie bei der ganzen Welt, die von ihr gewissermaßen befleckt wird.
Und Gott hat es gewiß an nichts fehlen lassen, noch wird es jemals geschehen, da er zur rechten Zeit immer das tut, was er in einer veränderlichen und wandelbaren Welt zu tun hat. Und wie der Landmann in den verschiedenen Jahreszeiten verschiedene landwirtschaftlichen Arbeiten auf der Erde und an ihren Gewächsen vornimmt, so macht es auch Gott, der ganze Weltalter, wie wenn es sozusagen nur einzelne Jahre wären, ordnet und lenkt, in jedem von ihnen das wirkend, was eben die richtige Ordnung des Ganzen verlangt, die von Gott allein so, wie es die Wahrheit erheischt, aufs Gründlichste erfaßt und vollendet wird.
