5.
Hierauf ist der edle Celsus - ich weiß nicht, woher er das nimmt - mit uns nicht einverstanden, dass wir angeblich sagen: „Gott selbst kommt zu den Menschen herab“ er glaubt daraus folgern zu können, dass „Gott seinen eigenen Sitz verließe“. Er kennt nämlich die Macht Gottes nicht; er weiß nicht, „dass der Geist des Herrn den Erdkreis erfüllt, und dass, dem, der das All umfaßt, jeder Laut bekannt ist“1. Und wenn es heißt: „Erfülle ich nicht den Himmel und die Erde? spricht der Herr“2, so S. 303 versteht er es nicht. Dass wir alle nach der Lehre des Christentums „in ihm leben, weben und sind“3, wie Paulus in seiner Rede an die Athener gezeigt hat, ist ihm entgangen. Wenn also der Gott der Welt durch seine Macht mit Jesus in dieses Menschenleben herabsteigt, wenn auch „das Wort, das im Anfang bei Gott war und Gott selbst ist“4, zu uns kommt, so verliert oder „verläßt er“ doch darum „seinen eigenen Sitz“ nicht in der Weise, dass dadurch ein Ort von ihm geräumt und ein anderer, wo er vorher nicht war, von ihm erfüllt wird. Gottes Macht und Göttlichkeit aber nimmt Wohnung bei den Menschen durch wen sie will, und bei wem sie eine Stätte findet. Gott wechselt dabei nicht seinen Ort, lässt auch seine Stätte nicht leer, um eine andere zu erfüllen. Denn wenn wir auch sagen, dass er <seinen Ort5> verläßt und irgendeinen andern erfüllt, so werden wir dies nicht von einem wirklichen Orte verstehen, sondern meinen, dass die Seele des schlechten und in die Sünde versunkenen Menschen von Gott verlassen, dagegen die Seele dessen, der tugendhaft leben will, oder darin Fortschritte macht, oder auch schon tugendhaft lebt, mit göttlichem Geist erfüllt oder desselben teilhaftig werde.
Für die Herabkunft Christi oder für die Hinwendung Gottes zu den Menschen ist es also nicht nötig, dass sein erhabener Thron verlassen und der irdische Zustand verändert wird, wie Celsus sich einbildet, wenn er sagt: „Denn wenn du hienieden nur ein einziges Ding, und wäre es auch das geringste, ändern wolltest, so wird dir die ganze Welt umgestürzt werden und in Trümmer gehen“. Wenn aber von der Veränderung einiger Dinge infolge der Gegenwart der Macht Gottes und der Ankunft des Wortes bei den Menschen gesprochen werden muss, so werden wir kein Bedenken tragen, zu sagen, dass eine Verwandlung der Schlechtigkeit in S. 304 Rechtschaffenheit, der Zügellosigkeit in Enthaltsamkeit, des Aberglaubens in Frömmigkeit bei jedem stattfindet, der dem Worte Gottes Zutritt zu seiner Seele gestattet hat
