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Hierauf wendet sich Celsus an diejenigen Menschen, die sich ihres Vorzugs vor "den unvernünftigen Tieren" bewußt sind, mit den Worten: " Auf eure Behauptung, Gott habe uns das Vermögen verliehen, wilde Tiere zu fangen und nutzbar zu machen, wollen wir bemerken, dass wahrscheinlicherweise, ehe Städte und Gewerbe und derartige Genossenschaften und Waffen und Netze vorhanden waren, allerdings Menschen von Tieren geraubt und gefressen, Tiere aber von Menschen durchaus nicht gefangen wurden." Demgegenüber beachte man, dass, wenn auch "wilde Tiere von den Menschen gefangen" und "Menschen von den wilden Tieren geraubt werden", doch ein großer Unterschied zwischen den Menschen besteht, die durch ihren Verstand die S. 402 Oberhand gewinnen, und den Tieren, denen ihre wilde und rohe Natur das Übergewicht über jene Menschen verleiht, die ihren Verstand nicht anwenden, um sich gegen die Angriffe der Tiere zu schützen. Wenn aber Celsus sagt: " ehe Städte und Gewerbe und derartige Genossenschaften vorhanden waren", so scheint er vergessen zu haben, was er oben gesagt hatte, dass nämlich "die Welt unerschaffen wäre und unvergänglich, und dass nur die Dinge auf Erden Überschwemmungen und Verbrennungen erdulden müßten, dass aber nicht einmal alle zugleich davon betroffen würden". Wie nun diejenigen, die sich die Welt als unerschaffen vorstellen, ihren Ursprung unmöglich angeben können, so vermögen sie auch die Zeit nicht zu bestimmen, wo es "noch keine Städte gab und Gewerbe noch nicht erfunden waren". Doch angenommen, dass man darin uns im Einklang mit Celsus beistimmt, aber nicht dem Celsus1 und seinen oben aufgestellten Behauptungen: wie kann dies nun zur Stütze des Satzes dienen, dass "am Anfang die Menschen von den Tieren geraubt und gefressen und nicht umgekehrt die Tiere von den Menschen gefangen wurden?"
Denn wenn wirklich die Welt ein Werk der Vorsehung ist, und wenn Gott alles leitet, so müßten "die Erstlinge des Menschengeschlechtes von Anfang an unter den Schutz höherer Wesen gestellt sein, so dass am Anfang zwischen der Gottheit und den Menschen eine enge Verbindung bestand. Der Dichter von Askra weiß dies, und darum sagt er: "Damals waren gemeinsam der Tisch und gemeinsam die Sitze den unsterblichen Göttern sowie den sterblichen Menschen."
von früher ↩
