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Im folgenden glaubt Celsus, dass wir, die in vielen bedeutenden Schriften mannigfach behandelte und verschieden beantwortete Frage nach „der Natur des Bösen“ durch einige wenige Sätzchen kennen lernen könnten, und sagt: „ Eine Abnahme und Zunahme des Bösen dürfte in der Welt weder früher eingetreten sein, noch jetzt oder künftig eintreten. Denn die Natur der Gesamtheit der Dinge ist und bleibt eine und dieselbe, und die Entstehung des Bösen ist immer die nämliche.“ Dies scheint die Umschreibung einer Stelle im Theätet zu sein, wo Plato den Sokrates sagen läßt: „Es ist weder möglich, dass das Böse aus dem Leben der Menschen verschwinde, noch auch, dass es bei den Göttern einen Sitz habe“ usw. Da. scheint mir der1 , der in diesem einzigen Buche die Wahrheit ganz zusammengefaßt haben will und seiner gegen uns gerichteten Schrift den Titel „Wahres Wort“ gibt, nicht einmal den Plato genau verstanden zu haben. Denn die Worte im Timaios: „Wenn aber die Götter die Erde durch Wasser reinigen“ lassen deutlich erkennen, dass die durch die Wasserfluten gereinigte Erde „weniger Böses“ an sich habe, als es vor ihrer Reinigung der Fall war. Und die Behauptung, dass einst das Böse geringer„ sein wird, können wir auf Plato wegen der Stelle im Theätet stützen, wo es heißt: Das Böse könnte aus dem Leben der Menschen nicht ganz verschwinden“.
große Gelehrte ↩
