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Celsus führt dann aus der nichtchristlichen Geschichte Äußerungen über jene "Völker an, die auf hohes Alter Anspruch machen" z.B. über die Athener, Ägyptier, Arkader und Phryger, die behaupten, es habe bei ihnen Menschen gegeben, die aus der Erde hervorgegangen seien, und für diese Behauptung Beweise im einzelnen vorbringen", und fährt dann fort: "Die Juden in irgendeinem Winkel Palästinas zusammengekauert, vollständig ungebildete Leute, ohne die geringste Kenntnis davon, dass von Hesiod und unzähligen anderen gottbegeisterten Männern diese Dinge schon längst in ihren Gedichten erzählt worden sind, haben ganz unglaubliche und abgeschmackte Märchen zusammengestellt, nämlich von einem Menschen, den Gott mit seinen Händen gebildet und dem er Atem eingeblasen habe1 , und von einem Weibe, aus der Seite des Mannes genommen2 , S. 344 von Geboten Gottes3 , und von einer Schlange, die diesen entgegengearbeitet4 und von einem Siege der Schlange über die Gebote Gottes5 ; so erzählen sie ein Märchen wie für alte Weiber und stellen in ganz frevelhafter Weise Gott so dar, dass er sofort von Anfang an ohnmächtig, und nicht einmal imstande wäre, einen einzigen Menschen, den er selbst gebildet, zum Gehorsam zu bringen."
Der vielwissende und hochgelehrte Celsus, der den Juden und Christen Unwissenheit und Mangel an Bildung vorwirft, liefert hiermit den klaren Beweis, wie genau er die Zeiten kennt, in denen jeder griechische und nichtgriechische Schriftsteller gelebt hat. Er hält nämlich "den Hesiod" und "unzählige andere" Dichter, die er "gottbegeisterte Männer" nennt, für älter als Moses und dessen Schriften, obwohl doch Moses nachweislich viel älter ist als der trojanische Krieg. Also haben nicht die Juden "ganz unglaubliche und abgeschmackte Märchen" über den erdgeborenen "Menschen" "zusammengestellt", sondern diese "gottbegeisterten Männer", wie sie Celsus nennt, "Hesiod" und seine andern "unzähligen" Dichter, diese haben die weit älteren und höchst ehrwürdigen Erzählungen, die in Palästina vorhanden waren, nicht gekannt, auch nicht davon gehört, und daher solche Geschichten über die Vorzeit aufgeschrieben, Eöen und Theogonien, in denen sie ihren Gottheiten nach ihrer Auffassung ein Geborenwerden und tausend andere6 beilegen. Plato hat also Recht, wenn er den Homer und Verfasser ähnlicher Gedichte als Schriftsteller, die die Jugend verderben, von seinem Staat ausschließt. S. 345 Aber Plato denkt offenbar gar nicht daran, dass die Männer, die solche Gedichte hinterlassen haben "gottbegeistert" gewesen wären; der Epikureer Celsus aber, wenn es wirklich derselbe ist, der zwei andere Bücher gegen die Christen geschrieben hat, kann dies besser beurteilen als Plato, oder er hat nur die Absicht, uns zu widersprechen, und nennt deshalb die Männer "gottbegeistert", denen er im Herzen diese Eigenschaft nicht zuerkennt.
