1. Kapitel1
Cyprianus entbietet den Presbytern und Diakonen sowie dem gesamten Volk seinen Gruß.
Als uns, teuerste Brüder, die Kunde zukam, es seien Häscher2 abgesandt, um mich nach Utica zu überführen, und der Rat meiner nächsten Freunde dahin ging, ich sollte eine Zeitlang unsere Gärten verlassen, da stimmte ich ihnen bei, zumal noch ein triftiger Grund dazukam. Denn für einen Bischof ziemt es sich, in der Stadt, in der er der Kirche des Herrn vorsteht, auch den Herrn zu bekennen und das gesamte Volk durch das Bekenntnis des anwesenden Vorstehers zu verherrlichen. Was nämlich ein Bischof als Bekenner gerade im Augenblick seines Bekenntnisses auf die Eingebung Gottes spricht, das spricht er im Namen aller. Übrigens würde auch die Ehre unserer so ruhmvollen Kirche beeinträchtigt, wenn ich, der Bischof und Vorsteher einer anderen Kirche, mir in Utica wegen meines Bekenntnisses das Urteil sprechen ließe und von dort aus als Märtyrer zum Herrn ginge, während ich doch für mich wie für euch in ständigem Gebete darum flehe und sehnlichst wünsche und mich auch verpflichtet fühle, bei S. 410 euch zu bekennen und dort zu leiden und von dort zum Herrn zu gehen. So warten wir denn hier in einem abgeschiedenen Versteck die Rückkehr des Prokonsuls nach Karthago ab, um von ihm zu hören, was die Kaiser bezüglich der christlichen Laien und Bischöfe angeordnet haben, und um das zu sagen, was der Herr zur Stunde gesagt wissen will.
Ihr aber, teuerste Brüder, haltet Ruhe und Frieden entsprechend der Belehrung, die ihr auf Grund der Gebote des Herrn immer schon von mir erhalten habt, und gemäß den Lehren, die ihr aus meinen Ausführungen so oft habt entnehmen können! Keiner von euch errege irgendeinen Aufruhr unter den Brüdern oder stelle sich freiwillig den Heiden! Denn nur wer ergriffen und (dem Gericht) übergeben ist, muß reden, wenn eben Gott in uns zu jener Stunde redet, nach dessen Willen wir zwar bekennen sollen, aber uns nicht (als Christen) erkennen zu geben brauchen. Was wir jedoch im übrigen noch zu beobachten haben, das werden wir nach der Anweisung des Herrn noch gemeinsam anordnen, bevor der Prokonsul über mich als Bekenner des Namens des Herrn sein Urteil spricht.
Der Herr Jesus möge euch, teuerste Brüder, in seiner Kirche unversehrt erhalten und gnädiglich bewahren!
Inhalt des Briefes 81: Der Prokonsul Galerius Maximus hatte sich nach Utica begeben und befahl, auch Cyprian dorthin zu bringen. Auf die Nachricht von der drohenden Verhaftung jedoch verließ dieser Karthago und flüchtete sich an einen sicheren Ort. Erst nach der Rückkehr des Prokonsuls wollte er sich stellen, da nach seiner Ansicht der Märtyrertod einem Bischof womöglich an seinem Amtssitz zuteil werden soll.< S. 409 Von seinem Versteck aus richtete der karthagische Oberhirte angesichts seines nahen Endes an seine Gemeinde diesen letzten Brief, der ein ergreifendes Schlußwort darstellt. Für die stets von ihm vertretene Auffassung seines hohen Amtes ist es bezeichnend, daß auch dieses Vermächtnis noch einmal ausklingt in eine eindringliche Ermahnung zu treuem Festhalten an der Kirche.Bald darauf, am 14. September 258, wurde Cyprian enthauptet.Geschrieben im August (oder Anfang September) 258. ↩
So nach der wohl richtigen Lesart ‚frumentarios‘ (statt ‚commentarios‘), womit man in der Kaiserzeit eine Art von Polizei- und Kriminalbeamten bezeichnete. ↩
