1. Kapitel1
Cyprianus entbietet seinen Gruß den Presbytern und Diakonen, seinen Brüdern.
Obwohl ich weiß, teuerste Brüder, daß ich euch in meinen Briefen schon häufig genug ermahnt habe, alle Sorgfalt denen angedeihen zu lassen, die mit ruhmreicher Stimme den Herrn bekannt haben und ins Gefängnis geworfen worden sind, so lege ich es euch doch immer wieder ans Herz, es denen an nichts in der Pflege mangeln zu lassen, denen am Ruhme nichts mangelt. Ja, wenn nur die örtlichen Verhältnisse und die Rücksicht auf mein Amt es mir gestatteten, selbst (bei euch) jetzt zugegen zu sein, wie bereitwillig und gern wollte ich da in regelmäßigem Dienste alle Pflichten der Liebe gegen unsere heldenmütigen Brüder erfüllen! So aber möge eure Umsicht meine Dienstleistung ersetzen und alles tun, was solche verdienen, die Gottes Gnade in so hohen Verdiensten ihres Glaubens und ihrer Tugend verherrlicht hat! Auch soll die eifrigste Wachsamkeit und Sorgfalt den Leichen aller zuteil werden, die im Kerker eines ruhmreichen Todes sterben, wenn sie auch nicht gefoltert worden sind! Denn auch ihre Tugend und Ehre ist groß genug, um sie gleichfalls der Zahl der seligen Märtyrer beizugesellen. Soviel an ihnen lag, haben sie all das ertragen, wozu sie gerüstet und bereit waren. Wer sich unter den Augen Gottes den Martern und dem Tode dargeboten hat, der hat gelitten, was er leiden wollte. Denn nicht er hat sich den Martern entzogen, sondern die Martern ihm. „Wer sich zu mir bekennen wird vor den Menschen, zu dem will auch ich mich bekennen vor meinem Vater2“, sagt der Herr. Und sie haben sich S. 43 bekannt. „Wer ausharren wird bis ans Ende, der wird gerettet werden3“, sagt der Herr. Und sie haben ausgeharrt und das Verdienst ihrer Tugenden unverletzt und unbefleckt erhalten bis ans Ende. Und abermals steht geschrieben: „Sei getreu bis in den Tod, und ich werde dir die Krone des Leben geben4.“ Bis in den Tod sind sie getreu und standhaft und unbesiegbar geblieben. Wenn nun zu unserem festen Willen und zu unserem Bekenntnis in Kerker und Banden schließlich auch noch der Tod hinzukommt, dann ist der Ruhm des Martyriums vollendet.
Inhalt des Briefes 12: Cyprian fordert seinen Klerus auf, den im Kerker schmachtenden Bekennern alle Ehren zu erweisen. Falls einer von ihnen im Gefängnis sterbe, bittet er den Todestag genau anzumerken, da auch diese Opfer der Verfolgung den Märtyrern gleich zu achten sind und ihr Gedächtnis gefeiert werden soll. Zum Schluß legt er seinen Presbytern und Diakonen noch (wie schon im S. 42 5. und 7. Brief) die Fürsorge für die Armen angelegentlich ans Herz. Geschrieben im Jahre 250. ↩
Matth. 10, 32. ↩
Matth. 10, 22. ↩
Offenb. 2, 10. ↩
