1. Kapitel1
Cyprianus entbietet seinen Gruß den Presbytern und Diakonen, seinen Brüdern.
Lange Zeit habe ich Geduld geübt, teuerste Brüder, in der Annahme, unser bescheidenes Stillschweigen könnte zur Beruhigung beitragen. Nachdem aber einige in ihrer unmäßigen und rücksichtslosen Anmaßung voll Vermessenheit die Ehre der Märtyrer, die Bescheidenheit der Bekenner und die Ruhe des gesamten Volkes zu stören suchen, darf man nicht mehr länger schweigen, damit nicht die allzu große Schweigsamkeit dem Volke und uns zugleich gefährlich wird. Denn welche Gefahr hätten wir nicht von dem Unwillen des Herrn zu befürchten, da doch einige von den Presbytern, ohne sich an das Evangelium und an ihre priesterliche S. 58 Stellung zu erinnern, ja ohne an das künftige Gericht des Herrn und den jetzt über sie gesetzten Bischof zu denken — was gar niemals unter unseren Vorgängern vorgekommen ist —, unter Beschimpfung und Verachtung ihres Vorstehers alle Rechte für sich beanspruchen!
Inhalt des Briefes 16: Inhaltlich berührt sich dieser Brief eng mit dem vorhergehenden. Cyprian wendet sich gegen die Anmaßung, mit der manche Priester noch vor Beendigung der Verfolgung Gefallenen zu deren eigenem Schaden vorschnell ohne Mitwirkung des Bischofs die Rückkehr zur Kirche gewähren. Unter Hinweis auf das göttliche Strafgericht droht er den widerspenstigen Klerikern die Amtsenthebung an. Geschrieben zwischen April und Juli 250. ↩
