1. Kapitel1
Cyprianus entbietet seinem Bruder Epictetus und der Gemeinde zu Assuras2 seinen Gruß.
Schwer und schmerzlich, teuerste Brüder, traf mich die Kunde, daß euer ehemaliger Bischof Fortunatianus trotz seines schweren Sturzes und Falles jetzt als unbescholten gelten will und sich das bischöfliche Amt wieder angemaßt hat. Diese Nachricht hat mich tief betrübt, erstens um seiner selbst willen. Denn der arme, durch teuflische Finsternis völlig verblendete oder durch ruchlose Überredung von gewisser Seite irregeführte Mann, der doch eigentlich Genugtuung leisten und zur Versöhnung des Herrn Tag und Nacht weinend und bittend und flehend verbringen sollte, wagt es noch, das Priestertum für sich in Anspruch zu nehmen, das er verraten hat! Darf man sich denn etwa von den Opferstätten des Teufels weg dem Altare Gottes nahen? Oder fordert einer den Zorn und Unwillen Gottes am Tage des Gerichts nicht in noch höherem Grade gegen sich heraus, der seinen Brüdern, denen er ein Führer im Glauben und in der Tugend nicht zu sein vermochte, ein Lehrer der Treulosigkeit und Vermessenheit und Verwegenheit wird und S. 277 der seine Brüder, die er nicht zur Standhaftigkeit im Kampfe erzog, nach ihrer Niederlage und ihrem Fall sogar lehrt, das Bitten zu unterlassen? Und doch sagt der Herr: „Ihnen (den Götzen) habt ihr Trankspenden ausgegossen, und ihnen habt ihr Speiseopfer dargebracht. Darüber soll ich nicht zürnen3?“ Auch an einer anderen Stelle spricht der Herr: „Wer den Göttern opfert außer dem Herrn allein, wird ausgerottet werden4.“ Ebenso spricht der Herr abermals und sagt: „Sie haben diejenigen angebetet, die ihre Finger gemacht haben, und es krümmte sich der Mensch, und es erniedrigte sich der Mann, und ich werde es ihnen nicht erlassen5.“ Auch in der Offenbarung lesen wir, wie der Herr seinen Zorn androht und sagt: „Wenn jemand das Tier anbetet und sein Bild und das Malzeichen annimmt an seiner Stirne oder an seiner Hand, so wird er auch trinken von dem Weine des Zornes Gottes, der gemischt ist im Becher seines Grolles, und er wird gepeinigt werden mit Feuer und Schwefel unter den Augen der heiligen Engel und unter den Augen des Lammes. Und der Rauch der Qualen wird in alle Ewigkeit aufsteigen, und keine Ruhe werden sie haben Tag und Nacht, die das Tier und sein Bild anbeten6.“
Inhalt des Briefes 65: S. 276 Fortunatianus, Bischof von Assuras, hatte sich während der letzten Verfolgung durch Götzenopfer befleckt, wollte aber trotzdem wieder nach Rückkehr des Friedens sein früheres Amt weiterführen.Auf die Beschwerde des an seine Stelle gesetzten Bischofs Epictetus verurteilt Cyprian in diesem Schreiben das Gebaren des Gefallenen aufs entschiedenste und warnt alle Gemeindeglieder vor jedem Verkehr mit ihm.Geschrieben im Jahre 253. ↩
Stadt im prokonsularischen Afrika. ↩
Is. 57, 6. ↩
Exod. 22, 19. ↩
Is. 2, 8. 9. ↩
Off. 14, 9-11. ↩
