1. Kapitel1
Ich, Lucianus, entbiete dem Herrn Celerinus meinen Gruß in Christus, wenn anders ich würdig bin, sein Genosse zu heißen.
Deinen Brief, geliebtester Herr Bruder, habe ich erhalten. Du hast mich darin so tief betrübt, daß mir darüber beinahe meine große Freude vergangen wäre, die ich beim Lesen deines Schreibens empfand, das ich seit so langer Zeit ersehnte, und in dem du dank deiner tiefen Demut meiner zu gedenken geruhtest. Aber wie magst du mir denn darin schreiben: „Wenn ich würdig bin, dein Bruder genannt zu werden“, mir, einem Menschen, der nur vor den niederen Behörden voll Furcht den Namen Gottes bekannt hat! Denn du hast nach Gottes Willen die große Schlange selbst, den Vorläufer des Antichrists2, nicht nur durch dein Bekenntnis in Schrecken gesetzt, sondern auch mit den dir von Gott eingegebenen Worten und Reden besiegt wie die Freunde des Glaubens und die Eiferer in der Lehre Christi, mit der du, wie ich zu meiner Freude weiß, dich lebhaft beschäftigst. Nun aber, mein Teuerster, der du schon unter die Märtyrer zu rechnen bist, wolltest du uns das Herz schwer machen mit deinem Briefe, in dem du über einige unserer Schwestern berichtet hast. Ach, wäre es uns nur vergönnt, ohne die Erinnerung an ein so schweres Verbrechen ihrer zu gedenken, dann bräuchten wir wahrlich nicht so viele Tränen zu vergießen (wie jetzt).
Inhalt des Briefes 22: Der karthagische Bekenner Lucianus beantwortet vom Gefängnis aus das vorangehende Schreiben des römischen Bekenners Celerinus und erklärt sich unter Berufung auf den Märtyrer Paulus ohne Bedenken bereit, die gewünschten Friedensbriefe auszustellen. S. 75 Die Leichtfertigkeit, mit der er dies tut, sollte Cyprian noch viel zu schaffen machen.Da auch dieser Brief, wie schon der 8. und 21., in recht mangelhaftem Vulgärlatein abgefaßt ist, sind manche Stellen schwer verständlich.Geschrieben April oder Mai 250. ↩
Vermutlich ist der Kaiser Decius selbst gemeint, von dem diese Verfolgung ausging. ↩
