1. Kapitel1
Dem Vater Cyprianus entbieten die Presbyter Moyses und Maximus sowie Nicostratus, Rufinus und die übrigen Bekenner, die bei ihnen sind, ihren Gruß.
Inmitten der verschiedenen und vielfältigen Schmerzen, lieber Bruder, über den fast auf dem ganzen Erdkreis herrschenden Abfall so vieler Christen wurde uns ein besonderer Trost dadurch zuteil, daß wir durch deinen Brief2, den wir erhielten, wieder aufgerichtet worden sind und für den Kummer unseres betrübten Herzens ein Linderungsmittel erhalten haben. Daraus können wir nunmehr ersehen, daß die Gnade der göttlichen Vorsehung uns vielleicht aus keinem anderen Grunde so lange in den Banden des Kerkers eingeschlossen halten wollte als deshalb, damit wir, durch dein Schreiben belehrt und noch kräftiger ermutigt, mit noch heißerem Eifer zu der uns winkenden Krone gelangen könnten. Denn dein Brief erstrahlte uns wie bei einem Gewitter der heitere Himmel, wie auf stürmischem Meere die ersehnte Stille, wie bei großen Mühen die Ruhe, wie bei Gefahren und Schmerzen die Gesundheit, wie in der dichtesten Finsternis ein helles und glänzendes Licht. Mit solch dürstender Seele haben wir deine Worte eingesogen, mit solch hungerndem Verlangen sie in uns aufgenommen, daß wir ins freuen S. 100 können, durch sie für den Kampf mit dem Widersacher hinreichend genährt und gestärkt zu sein. Der Herr wird dir für diese deine Liebe den Lohn geben und für dieses so gute Werk die verdiente Frucht gewähren. Denn wer ermuntert hat, verdient ebensogut mit der Krone belohnt zu werden wie der, der gelitten hat, und wer gehandelt hat, ist des Lobes auch nicht würdiger als der, der gelehrt hat. Dem, der gemahnt hat, gebührt keine geringere Ehre als dem, der dem Mahner gehorchte, nur daß sich bisweilen größerer Ruhm auf den häuft, der gelehrt hat, als auf den, der sich nur als gelehriger Schüler erwiesen hat. Denn dieser hätte vielleicht das gar nicht leisten können, was er geleistet hat, wenn nicht jener es ihn gelehrt hätte.
Inhalt des Briefes 31: Dieses Antwortschreiben der römischen Bekenner auf Cyprians Brief Nr. 28 spricht dem Bischof zunächst den herzlichsten Dank aus für den reichen Trost, den er ihnen damit gespendet hat, und feiert unter Berufung auf Stellen der Heiligen Schrift die Glückseligkeit des Martyriums, das auch sie bald zu erlangen S. 99 hoffen. Sie ersuchen Cyprian um seine Fürbitte im Gebet und rühmen seine feste Haltung gegenüber den Gefallenen.Die warme Anerkennung, die Cyprians Wirken während seiner freiwilligen Verbannung hier findet, läßt erkennen, daß die römischen Bekenner die Berechtigung seiner Flucht, für die sie im 8. Brief einen leisen Tadel hatten, jetzt selbst eingesehen haben.Geschrieben im Jahre 250. ↩
Vgl. auch Brief 20. ↩
