1. Kapitel1
Cyprianus entbietet seinen Gruß den Presbytern und Diakonen, seinen Brüdern.
Obwohl ich weiß, teuerste Brüder, daß bei der Furcht, die wir alle Gott schulden, auch ihr dort bei euch ständigem Gebet und dringendem Flehen fleißig obliegt, so ermuntere dennoch auch ich noch euren frommen Eifer, damit wir nicht nur in Worten, sondern auch mit Fasten und Tränen und Fürbitten aller Art S. 35 unser Seufzen emporsenden, um Gott zu besänftigen und zu versöhnen. Denn man muß es einsehen und bekennen, daß die so stürmische Verheerung dieser Heimsuchung, die unsere Herde zum größten Teil schon verwüstet hat und noch immer verwüstet, infolge unserer Sünden über uns gekommen ist, weil wir den Weg des Herrn nicht einhalten und die uns zu unserem Heile gegebenen himmlischen Gebote nicht beobachten. Unser Herr hat den Willen des Vaters erfüllt, aber wir vollziehen nicht den Willen Gottes, sondern wir jagen nach Vermögen und Gewinn, wir sind auf unseren Stolz bedacht, wir ergeben uns der Eifersucht und Zwietracht, wir achten nicht auf Aufrichtigkeit und Treue, wir entsagen der Welt nur in Worten, nicht aber in der Tat, wir sind alle selbstgefällig, mißfallen aber jedem anderen. So werden wir denn gezüchtigt, wie wir es verdienen, da geschrieben steht: „Der Knecht aber, der seines Herrn Willen kennt und seinem Willen nicht gehorcht hat, wird viele Streiche erleiden2.“ Welche Hiebe aber, welche Schläge verdienen wir nicht, wo doch nicht einmal die Bekenner Zucht halten, die den anderen in guten Sitten ein Vorbild hätten geben sollen? Während also einige in ihrer aufgeblasenen und unbescheidenen Prahlerei wegen ihres Bekenntnisses sich allzusehr überhoben, kamen die Martern über sie, und zwar solche, denen der Folterknecht kein Ende macht, denen die Verurteilung kein Ziel setzt, denen der Tod keinen Trost bringt, Martern, die nicht leicht zur Krone gelangen lassen, sondern so lange quälen, bis sie zu Fall bringen, außer wenn etwa einer durch Gottes Gnade entrückt noch inmitten der Qualen erlöst wird und so nicht etwa durch das Ende der Pein, sondern durch einen raschen Tod Ruhm gewinnt.
Inhalt des Briefes 11: Cyprian sieht in der Verfolgung eine göttliche Strafe für die Zuchtlosigkeit und den Ungehorsam der Christen. Unter Berufung auf mehrere Erscheinungen, die er gehabt hat, ermahnt er seine Gemeinde eindringlich zu fleißigem Gebet um die göttliche Barmherzigkeit, zur Einheit und Nüchternheit. Auf Grund einer Vision sagt der Bischof das baldige Ende der Verfolgung voraus.Geschrieben im Jahre 250 (April?). ↩
Luk. 12, 47. ↩
