1. Kapitel1
S. 337 Cyprianus entbietet seinem Bruder Jubaianus seinen Gruß.
In deinem Schreiben an mich hast du, teuerster Bruder, den Wunsch ausgesprochen, ich möchte dir unsere Herzensmeinung über die Taufe der Ketzer mitteilen, die draußen außerhalb der Kirche stehen und sich dennoch etwas anmaßen, wozu sie weder ein Recht noch eine Machtbefugnis haben. Wir können diese Taufe unmöglich für gültig und rechtmäßig erachten, da ja feststeht, daß sie bei ihnen unstatthaft ist. Nachdem wir nun unsere Ansicht über diese Frage bereits in unserem Schreiben2 zum Ausdruck gebracht haben, so sende ich dir der Kürze halber eine Abschrift eben dieser Briefe, damit du siehst, was wir auf einem gutbesuchten Konzil beschlossen haben, desgleichen, was ich später unserem Amtsgenossen Quintus auf eine Anfrage über die nämliche Angelegenheit antwortete3. Und auch jetzt sind wir Bischöfe der Provinz Afrika sowie Numidiens, einundsiebzig an der Zahl, zusammengekommen und haben durch unsere Abstimmung von neuem dieselbe Auffassung bestätigt und entschieden: es gibt nur eine Taufe, nämlich die in der katholischen Kirche bestehende, und deshalb werden alle, die von dem unechten und unreinen Wasser herkommen und der Abwaschung und Heiligung durch das wahre, heilbringende Wasser bedürfen, nicht wiedergetauft, sondern getauft.
Inhalt des Briefes 73: Der mauretanische Bischof Jubaianus hatte ein vielleicht von Stephanus stammendes Schreiben erhalten, das Cyprians Ansicht über die Ketzertaufe bekämpfte. Darauf wandte er sich an den karthagischen Bischof mit der Bitte, ihm seine Gegengründe mitzuteilen. Dies geschieht in dem vorliegenden Brief, in dem Cyprian seine Stellung zur Ketzertaufe aufs eingehendste darlegt und aus der Heiligen Schrift begründet.Zunächst verweist der Verfasser den Fragesteller auf die beiden letzten Synodalschreiben, die er ihm nebst seinem Brief an Quintus (71) in Abschrift beilegt (Kap. 1).Daran, daß auch Novatian die zu ihm Abfallenden nochmals tauft, darf man sowenig Anstoß nehmen, wie die zurückkehrenden Ketzer selbst, zumal schon Bischof Agrippinus die Ketzertaufe für nötig hielt (Kap. 2―3). Der Einwand, daß der Täufling auf Grund seines Glaubens Vergebung der Sünden erlange, ist schon deshalb hinfällig, weil die Ketzer eben nicht den rechten Glauben haben. Ihre Taufe ist nur „lügnerisches Wasser“, das unmöglich den Heiligen Geist spenden kann. Die wirkliche Taufgewalt haben nur die Vorsteher der wahren Kirche; wer sich ihr Recht anmaßt, hat von Gott schwere Strafe zu gewärtigen (Kap. 4―8). — Ebenso wird der zweite Einwand, daß ja auch Petrus und S. 336 Johannes die in Samaria Getauften nicht nochmals getauft hätten, als irrig widerlegt (Kap. 9).Cyprian kommt also zu der Folgerung, daß man den ketzerischen Ansprüchen den stärksten Widerstand entgegensetzen müsse. Da nur die eine Kirche die echte, wirksame Taufe zu erteilen vermag, beruft man sich vergeblich auf frühere Gewohnheit (Kap. 10―13). Auch eine Briefstelle des Paulus wird zu Unrecht zu Gunsten der Ketzer gedeutet, die vielmehr stets von den Aposteln bekämpft werden (Kap. 14―15). Selbst die Anrufung Christi bei der Taufe sichert noch keineswegs ihre Gültigkeit, da nur die im Namen der göttlichen Dreieinigkeit gespendete Taufe Sündennachlaß bewirkt (Kap. 16―20). Wenn selbst die Bluttaufe den Häretikern nichts nützt, dann ist auch jeder Hinweis auf die noch vor der Taufe verstorbenen Katechumenen hinfällig. Trotzdem man früher manchmal in diesem Punkte geirrt hat, ist die Lehre der Gegner schon deshalb gefährlich, weil sie die Abtrünnigen von der Rückkehr zur Kirche abhält. Wie unbegründet die Furcht vor einer Wiedertaufe ist, zeigt das Beispiel der zuerst von Johannes Getauften (Kap. 21―25).Zum Schluß versichert der versöhnliche Verfasser, er wolle jedem Bischof seine Meinungsfreiheit zugestehen; eine Abschrift seines neuesten Traktats: „Vom Segen der Geduld“ legt er dem Briefe bei.Aus der Einleitung zu den „Äußerungen der 87 Bischöfe über die Notwendigkeit der Ketzertaufe“ (vgl. Band I, S. 352 ff.) wissen wir, daß Cyprians Schreiben seine Wirkung auf Jubaianus nicht verfehlt hat. Auf dem Konzil vom 1. September 256 wurde nicht nur des Jubaianus Brief an Cyprian und dessen Antwort, sondern auch noch das zustimmende Dankschreiben des mauretanischen Bischofs verlesen.Geschrieben um die Mitte des Jahres 256. ↩
Brief 70. ↩
Brief 71. ↩
