121. Brief — An die Mutter Maria vom heiligen Joseph, Priorin in Sevilla
Toledo, am 5. Oktober 1576
Angelegenheiten ihres Bruders Don Laurentius und des Klosters in Sevilla.
Jesus sei mit Euerer Ehrwürden!
Ich kann nicht begreifen, wie Sie den Maultiertreiber fortlassen konnten, ohne ihm einen Brief mitzugeben, zumal unser Vater bei Ihnen sich befindet, von dem wir täglich etwas erfahren möchten. Ich beneide die dortigen Schwestern sehr, daß sie ihn bei sich haben. Um der Liebe willen bitte ich Sie, handeln Sie nicht mehr so, sondern schreiben Sie mir alles, was dort vorgeht; denn unser Vater ist in seinen Briefen kurz. Hat er selbst keine Zeit, mir zu schreiben, so sollen doch wenigstens Euere Ehrwürden es nicht unterlassen. Ich habe Ihnen schon mitgeteilt auf welchen Wegen Sie oft an mich schreiben können. Der Brief, den Pater Mariano mir überbrachte, hat mich gefreut, weil ich daraus ersah, daß Sie und Ihre Schwestern gesund sind und daß man sich bezüglich der Hauskaufsteuer geneigt hat. Pater Anton ist noch nicht gekommen.
Mein Bruder ist jetzt wieder gesund. Er freut sich immer, wenn er etwas von Euerer Ehrwürden erfährt, und ich habe Ihnen schon gesagt, Sie möchten nicht unterlassen, ihm manchmal zu schreiben. Er hat in der Nähe von Ávila, ich glaube eineinhalb Meilen oder auch nicht so weit davon entfernt, ein Landgut gekauft, dasselbe, um das er schon unterhandelte, als er noch in Sevilla war. Es umfaßt Weideplätze, Getreidefelder und Waldungen und kostete ihn vierzehntausend Dukaten. Die Verbriefungen sind jedoch noch nicht ausgefertigt. Er sagt, er sei in Sevilla gewitzigt worden und werde das Gut nicht eher in Besitz nehmen, als bis alles ganz sicher und richtig abgemacht sei, da er keinen Prozeß wolle. Empfehlen Sie ihn und seine Kinder, die sich schon verehelichen sollen, immerdar Gott, auf daß sie ihm dienen.
Noch eines. Als ich hieher kam, dachte ich mir, wir würden alsbald wieder abreisen. Wir sandten also bei unserer Ankunft den Reisekoffer und alles Gepäck durch einen Fuhrmann nach Ávila. Nun weiß ich nicht, wie es geschah, daß man beim Auspacken das große Agnus Dei der Theresia und ihre zwei mit Smaragden besetzten Ringe nicht finden konnte. Ich erinnere mich auch nicht, wo ich diese Dinge hingetan und ob man sie mir übergeben hat. Es tut mir in Wahrheit sehr leid, sehen zu müssen, wie alles dazu angetan ist, der kleinen Theresia die Freude zu verderben. Sie dachte nämlich nicht anders, als daß sie mich bei sich in Ávila haben werde, und nun muß sie mich in vieler Hinsicht entbehren. Erkundigen Sie sich bei den Schwestern, ob diese Stücke im Kloster zurückgelassen wurden, als wir abreisten, und fragen Sie die Gabriela, ob sie sich nicht erinnere, wo ich sie hingetan habe. Empfehlen Sie diese Angelegenheit Gott, damit die Sachen wieder zum Vorschein kommen.
Über das, was die Väter der Gesellschaft Jesu getan haben sollen, habe ich mich sehr gewundert. Diese staunen, wie es scheint, über unser allzu strenges Leben, weil jene Kandidatin es ihnen so schilderte. Es wäre gut, wenn unser Vater García Alvarez mit ihnen sprechen würde. Ihnen sowie allen meinen Töchtern und dem Prior de las Cuevas empfehle ich mich sehr. Für letzteren beten wir viel, daß Gott ihm wieder die Gesundheit verleihe. Möge es dem Herrn gefallen, sie ihm aufs neue zu schenken! Denn sein Leiden geht mir sehr zu Herzen. Bis ich weiß, daß er sich wieder besser befindet, schreibe ich ihm nicht. Geben Sie mir darüber Nachricht, wenn sich Ihnen Gelegenheit dazu bietet. Ungeachtet alles dessen, was geschehen, wird es doch gut sein, wenn Sie manchmal dafür Sorge tragen, daß die Schwestern einem Priester aus der Gesellschaft Jesu beichten; denn dies wird viel dazu beitragen, daß diese Väter ihre Furcht [vor unserer übergroßen Strenge] ablegen. Wenn möglich, wäre es sehr gut, daß sie beim Pater Acosta die Beichte ablegen würden. Gott verzeihe jenen; denn durch diese Kandidatin würde, wenn sie wirklich so reich ist, aller Not abgeholfen werden. Indessen wird der Herr, weil er sie uns nicht zugeführt hat, auf andere Weise Fürsorge treffen. Vielleicht war sie dort, wo sie eingetreten ist, notwendiger.
Ich hatte mir gedacht, es werde die Angelegenheit betreffs der Wasserleitung während der Anwesenheit des Paters Bonaventura in Sevilla mit besserem Erfolge betrieben werden; allein es scheint nicht, daß jene Patres den Schwestern soviel Gunst erweisen. Gott verhelfe diesen und mir dazu, daß wir das Haus bezahlen können; denn wenn Geld vorhanden ist, wird sich alles machen lassen. Die Schwestern mögen einstweilen damit zufrieden sein, daß sie gute Schöpfbrunnen haben. Wir in Toledo gäben viel darum, wenn wir einen solchen haben könnten; denn der Mangel an Wasser ist für uns ein schweres Kreuz.
Schreiben Sie mir doch, wie es dem Pater Bonaventura bei seiner Visitation ergeht und was man mit dem Kloster in der Nähe von Córdoba anfängt, das man niedergerissen hat; denn ich weiß von all dem nichts. Ich bin gesund und stehe sozusagen ganz zu Ihren Diensten. Schreiben Sie mir auch, ob unser Vater manchmal zum Essen kommt oder ob Sie ihm in anderer Weise eine Erquickung verschaffen können; denn in seinem Kloster wird dies nicht leicht möglich sein, und ich glaube, daß dies auch nicht ratsam wäre. Geben Sie mir über dies alles Nachricht, und Gott behüte Sie! Wir werden uns jetzt, wie es auch billig ist, oft schreiben.
Die alte Frau, die Sie dort haben, und die Art und Weise, wie sie die Treppe benützt, hat mir sehr gefallen. Teilen Sie mir mit, ob der junge Mann noch bei Ihnen ist oder wer Ihnen sonst die notwendigen Dienste leistet. Die Mutter Priorin von Malagón hat mir geschrieben, es gehe ihr besser, allein ihre Krankheit ist derart, daß mir ihre geringe Besserung wenig Freude macht. Empfehlen Sie diese beständig im Gebete! Die göttliche Majestät behüte Sie, meine Tochter, und mache Sie und alle [Schwestern] heilig! Amen.
Aus dem beiliegenden Brief der Schwester Alberta werden Sie ersehen, wie es der Priorin in Caravaca geht. Große Freude hat mir der Brief von Veas bereitet, da ich schon seit langem von dort nichts mehr erfahren hatte. Besonders war es für mich ein Trost, daß jene Kandidatin, die sehr reich ist, dort eingetreten ist. Allmählich macht sich, Gott sei Dank, alles gut.
Alle bitte ich, daß sie ja unseren Vater und auch mich immer recht angelegentlich dem Herrn empfehlen; denn ich bedarf es sehr.
Gestern war der Tag des heiligen Franziskus.
Diesem Brief habe ich das Porto beigelegt, das ziemlich viel ausmacht. Versäumen Sie nicht, mich zu benachrichtigen, wenn es Ihnen an Geld fehlt, um unseren Vater bei gegebener Gelegenheit zu bewirken, und schämen Sie sich nicht, Geld anzunehmen; es wäre das eine Torheit, da ich es Ihnen ja schicken kann. Sorgen Sie auch für Ihre Gesundheit, damit ich mich nicht allzusehr ängstigen muß; denn ich versichere Sie, daß mir schon meine Priorin von Malagón Kummer genug macht. Gott möge Besserung eintreten lassen und ihr die Gesundheit verleihen! Amen.
Euerer Ehrwürden
Theresia von Jesu, Karmelitin
Da Postgelegenheit ist, können Sie das Porto hieher senden. Geschieht es nicht, so wissen Sie, daß Sie für gewöhnlich die Briefe der Gefahr aussetzen.
Anschrift: An die Mutter Priorin vom heiligen Joseph in Sevilla.
