358. Brief — An Doña Anna Henriquez in Valladolid
Palencia, am 4. März 1581
Freude über das Kapitel. Geduld in Prüfungen. Nachrichten über die Gründung in Palencia. Vereinsamung der Heiligen seit dem Tode des Paters Balthasar Alvarez. Der Lehrstuhl des Paters Báñez in Salamanka.
Jhs
Der Heilige Geist sei mit Ihnen!
Wäre es nur auf mein Verlangen, Ihnen zu schreiben, angekommen, so würde ich diesem schon mehrmals entsprochen und nicht gewartet haben, bis Sie mir mit Ihrem Brief zuvorgekommen sind. Allein ich hatte in den letzten Tagen so viele Briefe zu schreiben und so vielfache Geschäfte in bezug auf die Errichtung einer eigenen Provinz zu besorgen, auch war mein Gesundheitszustand so armselig, daß ich mich wundern muß, wie mein Kopf es ertragen konnte.
Die Mutter Maria Baptista hat mir geschrieben, welch innige Freude Sie über die Gnade empfänden, die Gott uns durch die Abhaltung dieses Kapitels erweist; diese Mitteilung wäre indessen nicht notwendig gewesen. Selbst wenn diese Angelegenheit nicht Ihre Ihnen treu ergebenen Dienerinnen beträfe, so würde, um Sie zu erfreuen, meines Wissens schon der Umstand hingereicht haben, daß es sich dabei um das Interesse Gottes handelt, zu dessen Haus und Königreich Sie gehören. Dieses Gotteswerk gereicht mir, ich versichere Sie, zu großem Troste; denn fortan wird, wie ich hoffe, Friede sein, und das ist ein großer Gewinn. Überdies werden jene, die sich dieser Reform angeschlossen haben, nicht mehr beunruhigt werden durch Obere, die nach einer ganz verschiedenen Regel leben, und werden nun wissen, was sie zu tun haben. Der Herr sei gepriesen für alles!
Ich weiß nicht, wann ich es einmal erleben werde, daß Sie irgendeinen Trost genießen. Gott will Ihnen, wie es scheint, alle Freude für jene nie endende Ewigkeit aufbewahren, damit Sie dort einer um so größeren Glückseligkeit teilhaftig werden. Ihre schwächliche Gesundheit ist noch das geringste Ihrer Leiden. Vielleicht wird jetzt, wenn die Witterung angenehmer wird, auch Ihr Gesundheitszustand sich bessern. Seine Majestät möge Ihnen diese Gnade verleihen, da sie es vermag! Seitdem meine Seitenschmerzen vorüber sind, fühle ich mich wohler; ich weiß indessen nicht, wie lange dies anhalten wird.
Wir sind hier sehr zufrieden und sehen jeden Tag mehr ein, wie gut wir es mit dieser Klosterstiftung getroffen haben. Die Leute sind sehr liebevoll, ganz offen und ohne Verstellung, was mir sehr gefällt. Der Bischof — Gott möge ihn erhalten! — hat zu diesem unserem Wohlergehen viel beigetragen; er erweist uns in ganz besonderer Weise seine Gunst. Ich bitte Sie, manchmal seiner zu gedenken und ihn unserem Herrn zu empfehlen!
Mit der Übersendung Ihres Bildes haben Sie uns eine große Ehre erwiesen. Es steht auf dem Hauptaltar und ist so schön und groß, daß es gar nicht notwendig ist, andere Bilder anzubringen.
Wir haben für das hiesige Kloster eine vortreffliche Priorin und ebenso tüchtige Nonnen mitgebracht, und so befindet es sich in einem so guten Zustande, wie wenn es schon längst gestiftet worden wäre. Bei all dem fühle ich mich bezüglich meiner eigenen Seelenangelegenheiten recht einsam; denn es befindet sich hier kein Pater der Gesellschaft Jesu, den ich kenne. Im Grunde genommen aber fühle ich diese Verlassenheit überall. Solange unser Heiliger noch lebte, glaubte ich immer, mochte er auch ferne von mir sein, mich in seiner Gesellschaft zu befinden; ich konnte ihm doch brieflich manche Seelenangelegenheit mitteilen. Jetzt aber leben wir in der Verbannung, und es ist gut, daß wir dies fühlen.
Was sagen Sie dazu, daß Pater Báñez seinen Lehrstuhl auf so ehrenvolle Weise erhalten hat? Gott wolle ihn behüten! Es hat nur sehr wenig gefehlt, und er hätte ihn nicht bekommen. An Arbeit und Mühe wird es ihm in seinem neuen Amte nicht fehlen, da die Ehre teuer zu stehen kommt.
Der Doña Maria bitte ich, meine Empfehlungen entrichten zu wollen. Es wäre mein inniger Wunsch, sie recht gesund zu sehen; allein meine Gebete haben nur den Erfolg, daß die Leiden, die man schon zu tragen hat, nur noch vermehrt werden; Sie können das an sich selber erfahren.
Falls Pater Garcia Manrique in Valladolid ist, bitte ich, ihm zu sagen, wie sehr ich wünschte, ihn in Palencia zu sehen; er möge mich doch in seinen Gebeten nicht vergessen!
Wir kommen immer noch nicht dazu, den Ankauf unseres Hauses dahier zum Abschluß zu bringen, so sehr ich es auch wünschte. Ich möchte nämlich mit der Gnade Gottes die gute Witterung, die jetzt kommt, benützen und mich zur Stiftung nach Burgos begeben, aber dann sogleich wieder von dort zurückkehren, um länger bei Ihnen bleiben zu können. Seine Majestät möge es in seiner Macht so fügen und Ihnen in dieser heiligen Zeit überreichen geistigen Trost verleihen, da Ihnen zeitliche Freuden so ganz versagt zu sein scheinen! Dem Don Ludwig küsse ich die Hand; ich bitte Gott, er möge ihn recht heilig machen.
Aus dem Kloster zum heiligen Joseph [in Palencia].
Heute ist der 4. März.
Ihre unwürdige Dienerin und Untergebene
Theresia von Jesu
