213. Brief — An Don Teutonio de Braganza, erwählten Erzbischof von Ebora
Ávila, am 16. Januar 1578
Aufmunterung zur Übernahme der Mühen und Leiden, die die neue Würde ihm bringt. Erklärung, daß es unmöglich sei, während der Verfolgung der Reform ein Kloster der unbeschuhten Karmelitinnen in seiner Diözese zu errichten.
Jhs
Die Gnade des Heiligen Geistes sei mit Euerer Durchlauchtigsten Gnaden! Amen.
Es ist schon länger als zwei Monate, daß ich Ihren Brief erhalten habe. Ich hätte ihn gerne recht bald beantwortet, allein ich erwartete noch immer in den großen Leiden, die wir unbeschuhten Nonnen und Brüder seit dem Monat August zu erdulden haben, eine Änderung zum Besseren, um Ihnen darüber, wie Sie mir in Ihrem Briefe befohlen haben, Nachricht zu geben. Indessen ging es von Tag zu Tag schlimmer; ich werde Ihnen dies jetzt erzählen.
In diesem Augenblicke hätte ich den lebhaften Wunsch, bei Ihnen zu sein; denn brieflich werde ich Ihnen gegenüber der Freude nicht genügend Ausdruck verleihen können, die Sie mir durch einen Brief bereitet, den ich in dieser Woche durch Vermittlung des Paters Rektor erhalten habe. Schon vor mehr als drei Wochen hatte ich bestimmtere Nachrichten über Euere Gnaden erhalten, und diese sind mir später auch von anderer Seite zugekommen, so daß ich nicht begreife, wie Sie je denken konnten, so etwas werde geheim bleiben. Die göttliche Majestät wolle es zu ihrer Ehre und Verherrlichung gereichen lassen und Euerer Gnaden beistehen, daß Ihre hohe Heiligkeit stetig an Wachstum zunehme, wie ich es zuversichtlich hoffe! Seien Sie überzeugt, daß Gott das Gebet so heiliger Seelen, die in allem nur seinen Dienst im Auge haben, nicht unerhört lassen werde. Auch ich bete trotz meiner Armseligkeit stets für Sie, und das gleiche geschieht auch von Ihren Dienerinnen in all unseren Klöstern, wo ich täglich Seelen finde, die mich in Wahrheit tief beschämen. Diese scheint sich unser Herr auszuwählen, um sie in unsere Klöster zu führen, und zwar aus so weit entfernten Gegenden, daß ich nicht weiß, wer ihnen Kunde von unserer Lebensweise gibt.
So fassen Sie denn Mut und große Zuversicht, und zweifeln Sie nicht, daß Ihre Erhebung [auf den erzbischöflichen Stuhl] eine Fügung Gottes sei; ich halte das für durchaus sicher. Seine Majestät will, daß Sie jetzt das Verlangen, zu ihrer Ehre wirken zu können, ins Werk setzen. Sie haben lange Zeit Muße gehabt, und jetzt bedarf unser Herr eines Mannes, der die Tugend begünstigt. Denn wir, die wir trotz unseres guten Willens, Gott zu dienen und nichts anderes zu suchen, arme und schwache Wesen sind, vermögen nur wenig, wenn er nicht Männer erweckt, die uns beschützen. Die Bosheit hat jetzt einen solchen Grad erreicht, und dem Ehrgeiz wird von vielen, die die Ehre mit Füßen treten sollten, solcher Beifall gezollt, daß der Herr selbst seiner Geschöpfe sich bedienen zu wollen scheint, obwohl er mächtig genug ist, der Tugend auch ohne ihre Mitwirkung zum Siege zu verhelfen. Da jene, die er zum Schutze der Tugend auserwählt hat, es an Treue gegen ihn fehlen lassen, so sucht er sich nun Männer aus, von denen er weiß, daß sie ihn unterstützen können.
Bemühen sich Euere Gnaden, in dieser Hinsicht dem Willen des Herrn zu entsprechen! Ich zweifle nicht daran, daß Sie es hier nicht fehlen lassen. Gott wird Ihnen Kräfte und Gesundheit, und wie ich zu Seiner Majestät hoffe, auch seine Gnade geben, daß Sie in allem das Rechte treffen. Hier in diesem Kloster werden wir Ihnen durch unser anhaltendes Gebet zu Hilfe kommen. Möge es dem Herrn gefallen, Ihnen Männer an die Seite zu geben, die von Eifer für das Heil der Seelen erfüllt sind, damit Sie in dieser Hinsicht ohne Sorge sein können! Es ist für mich ein großer Trost, daß Sie der Gesellschaft Jesu so zugetan sind, da Sie an ihr in allem die kräftigste Stütze finden werden.
Daß die Angelegenheit meiner Gebieterin, der Marquise de Elche, einen guten Ausgang genommen hat, freut mich sehr. Sie lag mir sehr am Herzen und bereitete mir große Sorge, bis ich erfuhr, daß alles so glücklich verlaufen ist. Gott sei gepriesen! Immer, wenn der Herr eine solche Menge von Leiden auf einmal sendet, führt er gewöhnlich auch alles glücklich zu Ende. Da er unsere Schwäche kennt und alles zu unserem Heile lenkt, so sendet er auch die Leiden immer im Verhältnis zu unseren Kräften. Ebenso wird er auch, wie ich denke, bei unseren schon so lange andauernden Stürmen verfahren. Wäre ich nicht vollkommen davon überzeugt, daß die unbeschuhten Brüder und Nonnen darauf bedacht sind, aufrichtig und in Wahrheit nach ihrer Regel zu leben, so hätte ich schon einige Male gefürchtet, daß unsere Widersacher ihren Zweck erreichen würden. Ihr Zweck ist aber kein anderer als das Werk, das unter dem Schutze der seligsten Jungfrau begonnen wurde, zu zerstören. Der Teufel geht in der Tat hier mit solcher Arglist zu Werke, daß es den Anschein erweckt, als habe Gott ihm erlaubt, seine ganze Macht in dieser Verfolgung zu entfalten.
Man hat so Unerhörtes getan und solche Anstrengungen gemacht, um uns, besonders den Pater Gracián und mich, auf die zunächst die Streiche fielen, in üblen Ruf zu bringen; man hat so viele und so schwere Anklagen gegen diesen Pater und gegen die Klöster der unbeschuhten Nonnen erhoben, und die Klageschriften, die man dem König unterbreitete, enthielten so entsetzliche Verleumdungen, daß Euere Gnaden, falls Sie davon Kenntnis hätten, staunen würden, wie man denn eine so große Bosheit ersinnen könne. Es war dies indessen, wie ich erkenne, für uns ein großer Gewinn. Unsere Nonnen blieben dabei so heitern Gemütes, als ob sie dies gar nicht beträfe, und Pater Gracián legte eine Vollkommenheit an den Tag, über die ich staunte. Gott hat in dieser Seele einen großen Schatz verborgen. Dieser Pater betet besonders für seine Widersacher und erträgt ihre Verleumdungen so heiteren Sinnes wie ein zweiter heiliger Hieronymus. Nur die Verleumdungen, die über die unbeschuhten Nonnen ergehen, haben ihn betrübt; denn da er zwei Jahre lang ihre Klöster visitiert und sie dabei kennengelernt hatte, so hält er sie für Engel und nennt sie auch so. Nun hat es Gott gefügt, daß die Verleumder in jenen Punkten Widerruf geleistet haben, die uns Nonnen betreffen. Bezüglich der Aussagen wider Pater Gracián wurde auf Befehl des Königlichen Ratskollegiums eine Untersuchung angestellt, und die Wahrheit kam an den Tag. Auch in anderen Stücken haben die Verleumder widerrufen, und es wurde offenbar, wie viele Feinde wir am Hofe besaßen, die von der Leidenschaft geblendet waren. Seien Sie überzeugt, daß der böse Feind darauf ausging, das Gute, das diese Klöster stiften, zu zerstören.
Jetzt will ich Ihnen, ohne Sie über alle Vorkommnisse bei den armen Nonnen der Menschwerdung aufzuklären, die mich unglücklicherweise zu ihrer Priorin wählten, erzählen, daß die ganze Stadt aufgebracht ist über das, was sie erduldet haben und noch erdulden. Ich weiß nicht, wann diese Dinge ein Ende nehmen werden. Pater Tostado ist mit ausgesuchter Strenge gegen sie verfahren. Mehr als fünfzig Tage lang durften sie weder eine Messe hören noch jemandem reden; das letztere Verbot wird seit drei Monaten noch bis zur Stunde aufrechterhalten. Man erhebt fast täglich schwere Drohungen gegen sie und sagt, sie seien der Exkommunikation verfallen; allein, alle Theologen in Ávila behaupten, daß dies nicht der Fall sei; den Nonnen werde nämlich nur für den Fall die Exkommunikation angedroht, daß sie eine Auswärtige wählen würden; aber man hatte nicht erklärt, daß diese Zensur meinetwegen verhängt wurde. Einige Nonnen meinten jedoch, ich sei keine Auswärtige, da ich in diesem Kloster Profeß abgelegt und so viele Jahre dort gelebt hätte. Ich könnte tatsächlich heute, wenn ich wollte, in dieses Kloster zurückkehren, da in ihm sich noch meine Aussteuer befindet und ich keiner eigenen Provinz angehöre. Man bestätigte jedoch jene als Priorin, auf die weniger Stimmen fielen. Die Nonnen, die man in besagter Weise bestrafte, haben bei dem Königlichen Ratskollegium Beschwerde eingelegt, und ich weiß nicht, welchen Ausgang ihre Angelegenheit nehmen wird.
Es hat mich sehr geschmerzt, daß meinetwegen solche Verwirrung und so großes Ärgernis in der Stadt entstand und daß so viele Seelen beunruhigt wurden. Denn es waren mehr als 54 Nonnen der Exkommunikation verfallen. Mein einziger Trost war, daß ich mein möglichstes tat, um die Wahl meiner Person zu verhindern. Ich versichere Euere Gnaden, daß es für mich eines der größten Leiden wäre, die mich auf Erden treffen könnten, wenn ich in diesem Kloster sein müßte; denn während der ganzen Zeit meines Aufenthaltes dortselbst hatte ich keine gesunde Stunde.
Aber wenn ich auch inniges Mitleid mit jenen Seelen empfinde, von denen eine große Anzahl sehr vollkommen ist, wie man aus der Art und Weise, mit der sie ihre Leiden ertragen, ersehen konnte, so schmerzt es mich doch noch mehr, daß die Beschuhten vor mehr als einem Monat auf Anordnung des Paters Tostado die beiden unbeschuhten Karmeliten, die bis dahin Beichtväter der Nonnen der Menschwerdung waren, gefänglich eingezogen haben. Die beiden sind vortreffliche Ordensmänner und haben während ihres fünfjährigen Aufenthaltes dahier die ganze Stadt erbaut. Ihnen ist es auch zu verdanken, daß das Kloster in dem guten Zustande, in dem ich es [nach Beendigung meines Priorates] verlassen hatte, erhalten blieb. Wenigstens den einen von ihnen, namens Pater Johannes vom Kreuz, halten die ganze Stadt und alle Nonnen für einen Heiligen; nach meinem Dafürhalten ist dies keine Übertreibung. In meinen Augen ist er ein Mann von überaus hohem Werte. Beide waren von dem apostolischen Visitator aus dem Dominikanerorden und vom vorigen Nuntius in dieses ihr Amt eingesetzt worden, und zu der Zeit, als man sie ergriff, standen sie unter dem Visitator Pater Gracián. Ihre Gefangennahme ist darum eine Torheit, die uns mit Staunen erfüllte. Was dies für einen Ausgang nehmen wird, weiß ich nicht. Es ist für mich peinlich, nicht einmal zu wissen, wohin man sie geführt hat. Man fürchtet, daß sie mit Strenge behandelt werden, und mir ist bange, es möchte ihnen irgendein Unheil zustoßen. Das Königliche Ratskollegium beschäftigt auch eine Klage, die man über diese Angelegenheit eingereicht hat. Möge Gott hier Hilfe schaffen!
Verzeihen Euere Gnaden, daß ich mich so weit verbreite; aber ich fühle mich überaus getröstet, wenn ich Ihnen alles, was sich zugetragen, der Wahrheit gemäß sagen kann, damit Sie davon Kenntnis haben, falls Pater Tostado zu Ihnen kommt. Der Nuntius hat ihn seit seiner Ankunft sehr begünstigt und dem Pater Gracián untersagt, weitere Visitationen vorzunehmen. Damit aber ist das Amt des letzteren als apostolischer Kommissär nicht erloschen, da der Nuntius seine Vollmachten noch nicht vorgezeigt noch auch dem Pater Gracián, wie er selbst sagt, die seinigen abgenommen hat. Trotzdem begab sich Pater Gracián sogleich nach Alcalá und von da nach Pastrana, wo er sich, von Schmerz niedergedrückt, in eine Höhle zurückgezogen hat. Wie ich schon erwähnt habe, leidet er sehr unter den falschen Aussagen der Verleumder; er macht von seinen Vollmachten als Kommissär keinen Gebrauch mehr; er hält sich dort auf, und alle unsere Angelegenheiten ruhen.
Er wünscht von ganzem Herzen, die Visitationen nicht wieder aufs neue beginnen zu müssen, und wir alle wünschen dasselbe; denn es wäre sehr schlimm für uns, wenn er Visitator bliebe, außer es würde uns Gott die Gnade erweisen, daß eine eigene Provinz gebildet wird. Geschieht dies nicht, dann weiß ich nicht, wohin die Dinge führen.
Gleich nach seiner Ankunft in Pastrana schrieb mir Pater Gracián, daß er bereit sei, dem Pater Tostado Gehorsam zu leisten, wenn er als Visitator komme, und daß wir alle dasselbe tun sollten. Pater Tostado ist aber bisher weder nach Pastrana noch hieher gekommen. Der Herr hat ihn wohl, wie ich glaube, zurückgehalten; durch seine böswillige Gesinnung, die er seitdem an den Tag gelegt, hätte er uns sicher viele Leiden verursacht.
Nichtsdestoweniger verbreiten die Beschuhten das Gerücht, daß er alles leitet und daß er zur Vornahme der Visitation kommen wird. Dies ist es, was uns am meisten quält. Denn er ist in der Tat der Urheber all der Wirren, die ich Ihnen mitgeteilt habe. Es ist für mich eine wahre Erleichterung gewesen, Sie mit dem ganzen Hergang der Dinge bekannt gemacht zu haben, wenn Sie auch das Lesen dieses Berichtes etwas ermüden sollte. Sind Sie ja doch so sehr verpflichtet, unseren Orden in Schutz zu nehmen! Es geschah dies auch zu dem Zwecke, damit Sie die Schwierigkeiten einsehen, die sich unter solchen Verhältnissen Ihrem Wunsche, in Portugal ein Kloster zu gründen, entgegenstellen. Dazu kommt noch ein anderes Hindernis, von dem ich jetzt reden will.
Ich kann es nicht unterlassen, auf alle mir mögliche Weise dafür Sorge zu tragen, daß der gute Anfang, den die Reform des Ordens genommen, Bestand habe. Jeder Theologe würde mir in der Beichte denselben Rat geben. Deshalb sind nun die beschuhten Väter über mich äußerst aufgebracht, und sie haben bei unserem Pater General einen so ungünstigen Bericht über mich eingereicht, daß er ein Generalkapitel berief, in dem er auf das Gutachten der versammelten Väter hin verordnete, daß keine unbeschuhte Nonne mehr ihr Kloster verlassen dürfe, und zwar unter Strafe der Exkommunikation. Diese Verordnung betraf vor allem mich; nur ward mir erlaubt, nach meinem Belieben mir ein Kloster zum künftigen Aufenthalt zu wählen. Es tritt klar zutage, daß damit weitere Gründungen von Nonnenklöstern verhindert werden sollten. Aber es ist betrübend, sehen zu müssen, daß eine Menge von Personen in unsere Klöster einzutreten verlangt, die wir aber nicht aufnehmen können, da ihre Zahl so gering ist und das Verbot besteht, neue zu gründen. Obwohl mir nun der vorige Nuntius den Auftrag gegeben hatte, ungeachtet dieser Verordnung mit der Stiftung von Klöstern fortzufahren, und obwohl ich vom apostolischen Visitator dazu weitgehende Vollmachten in Händen habe, so bin ich doch fest entschlossen, keinen Gebrauch davon zu machen, außer es würden unser Pater General oder der Papst etwas anderes befehlen. Da nun diese Stiftungen ohne meine Schuld unterbleiben, so erweist mir Gott ohne Zweifel die Gnade, daß ich von meiner Ermüdung ausruhen kann. Könnte ich indessen durch die Stiftung eines Klosters Ihnen einen Dienst erweisen, so wäre dies für mich eine wahre Erleichterung; denn der Gedanke, Sie nicht mehr zu sehen, fällt mir so schwer, daß es mir große Freude machen würde, wenn man mir den Auftrag gäbe, die von Ihnen ersehnte Gründung vorzunehmen.
Gesetzt den Fall, es wäre die genannte Verordnung vom Generalkapitel nicht erlassen worden, so würden die mir von unserem Pater General übertragenen Vollmachten doch nur für die Reiche beider Kastilien Geltung haben, und ich hätte [für eine Stiftung in Portugal] eine neue Vollmacht nötig; jetzt aber — und davon bin ich fest überzeugt — würde sie unser Pater General gewiß nicht erteilen. Vom Papste wäre sie leicht zu erhalten, besonders wenn man ihm die Verteidigungsschrift vorlegen würde, die Pater Gracián über die Lebensweise in unseren Klöstern, über den Wandel, den die Nonnen daselbst führen, und über den Nutzen, den sie überall, wo sie sich niedergelassen haben, stiften. Diese Schrift würde allein, wie mir angesehene Männer bezeugen, zur Heiligsprechung dieser Nonnen genügen. Ich habe sie nicht gelesen, weil ich fürchte, sie enthalte allzuviel Lob über mich. Aber wenn die Stiftung in Portugal vor sich gehen soll, so wünschte ich sehr, daß man von unserem Pater General um Erlaubnis dazu nachsuchte, sowie auch, daß man sich mit der Bitte an ihn wendete, zur Fortsetzung der Stiftungen in Spanien seine Genehmigung zu erteilen; denn wenn auch ich das Kloster nicht verlasse, so finden sich doch Nonnen, die diese Stiftungen vornehmen können. Ist einmal ein Haus zubereitet, so kann man diese Nonnen dorthin senden; denn durch derlei Verordnungen entgeht den Seelen ein großer Gewinn. Vielleicht sind Euere Gnaden mit dem Protektor unseres Ordens bekannt, der, wie man mir versichert, ein Neffe des Papstes ist; dieser wird von unserem General alles erlangen. Nach meiner Ansicht werden Sie durch diese Vermittlung unserem Herrn einen großen Dienst und unserem Orden eine große Gefälligkeit erweisen.
Auf noch eine Schwierigkeit mache ich Sie aufmerksam; denn ich möchte gern, daß Sie von allem unterrichtet seien. Pater Tostado ist nämlich im Königreich Portugal als Generalvikar anerkannt, und es wäre eine böse Sache, in seine Hände zu fallen, besonders für mich. Übrigens wird er sich nach meinem Dafürhalten aus allen Kräften unserem Wunsche widersetzen. In Kastilien wird er, wie es gegenwärtig den Anschein hat, wohl nicht mehr das Amt eines Generalvikars ausüben; denn sein bisheriges amtliches Verhalten, besonders in der Angelegenheit des Klosters der Menschwerdung, wobei er nicht einmal seine Vollmachten vorgezeigt hat, ist sehr übel aufgenommen worden. Er mußte darum auf eine Verordnung des Königs hin seine Vollmachten dem Königlichen Ratskollegium aushändigen, nachdem schon im vergangenen Sommer ein diesbezüglicher Befehl an ihn ergangen war. Man hat sie ihm nicht mehr zurückgegeben, noch wird er sie, wie ich glaube, jemals wieder zurückerhalten.
Wir haben überdies in unseren Klöstern Briefe von apostolischen Visitatoren, kraft derer wir nur von einem unbeschuhten Karmeliten, den der Pater General dazu ermächtigt, visitiert werden können. Von all dem hat man in Portugal nichts; dort würden wir den beschuhten Karmeliten unterstehen, und da wäre es bald vorbei mit der klösterlichen Vollkommenheit. Auch hier waren sie schon daran, großen Schaden zu stiften, wenn nicht die apostolischen Kommissäre dazwischengekommen wären.
Euere Gnaden werden nun sehen, wie man sich gegen all diese Mißstände verwahren kann. An tüchtigen Nonnen, die Ihnen zu Diensten stünden, würde es nicht fehlen. Pater Julian de Ávila, der schon auf dem Wege [nach Portugal] zu sein scheint, küßt Ihnen die Hand. Er ist hoch erfreut über die Nachricht [von Ihrer Erhebung auf den erzbischöflichen Stuhl]; er wußte jedoch davon schon, bevor ich es ihm mitteilte. Er ist der Überzeugung, daß Sie mit Ihrem Vorhaben vor den Augen unseres Herrn sich viele Verdienste erwerben werden. Maria vom heiligen Hieronymus, die frühere Subpriorin dieses Klosters, küßt Ihnen die Hand. Sie würde sich, wie sie sagt, sehr gerne zu dieser Stiftung begeben, wenn es der Wille unseres Herrn wäre. Möge Seine Majestät alles leiten, wie es zu ihrer größeren Ehre gereicht! Möge sie Euere Gnaden erhalten und Ihnen großes Wachstum in seiner heiligen Liebe verleihen!
Es ist nicht zu verwundern, daß Euere Gnaden jetzt nicht die Sammlung bewahren können, die Sie wünschen, da Ihnen in Ihrem Amte alles neu vorkommt. Unser Herr wird sie Ihnen bald in doppeltem Maße verleihen, wie er es zu tun pflegt, wenn man um seines Dienstes willen darauf verzichtet hat. Dennoch wünsche ich immer, daß Sie Sorge tragen, auch eine Zeit für sich zur inneren Sammlung zu gewinnen; denn darin liegt unser ganzes Heil.
Aus unserem Kloster zum heiligen Joseph in Ávila, am 16. Januar.
Um der Liebe unseres Herrn willen bitte ich Sie, mich doch nicht mehr mit derartigen Adressen zu quälen, die Sie auf die an mich gerichteten Briefe sehen.
Euerer Durchlauchtigsten Gnaden unwürdige Dienerin und Untergebene
Theresia von Jesu
