279. Brief — An die Mutter Priorin und die unbeschuhten Nonnen des Klosters zu Valladolid
Ávila, Ende Mai 1579
Bitte um zweihundert Dukaten für die Reise der unbeschuhten Karmeliten nach Rom. Mitgift der Schwester des Paters Gracián.
Jhs
Die Gnade des Heiligen Geistes sei mit Euerer Ehrwürden, meine Mutter, und mit Ihnen allen, meine lieben Schwestern!
Ich möchte Sie erinnern, daß ich Sie meines Wissens seit der Errichtung Ihres Klosters niemals gebeten habe, eine Nonne ohne Mitgift aufzunehmen; auch habe ich nie etwas von größerem Werte von Ihnen verlangt. Bei den anderen Klöstern ist das nicht der Fall gewesen; denn eines von ihnen hat elf Nonnen ohne Aussteuer aufgenommen, und es ist dadurch nicht ärmer geworden; ja, es befindet sich im Gegenteil im besten Zustand.
Heute nun möchte ich Sie um etwas bitten, wozu Sie in Hinsicht auf das Wohl des Ordens und auch aus anderen Gründen verpflichtet sind. Obgleich es zu Ihrem eigenen Besten gereicht, so will ich es doch als eine mir erwiesene Wohltat annehmen, und Sie können bei Spendung dieser Gabe die Absicht haben, als schenkten Sie diese mir persönlich. Ich bin nämlich sehr in Sorge, es möchte wegen Mangel an Geld etwas unterbleiben, was so sehr zur Verherrlichung Gottes und zur Beruhigung unserer Gemüter beiträgt.
Aus den beiliegenden Briefen, die der Prior der unbeschuhten Karmeliten von Calvario aus Rom gesandt, wo er vor kurzem angekommen ist, werden Sie ersehen, wie dringend er um Übersendung von zweihundert Dukaten bittet. Die unbeschuhten Väter können jetzt nichts leisten, da sie keinen Oberen haben. Dem Pater Prior von Pastrana und dem Pater Johannes von Jesu, die ebenfalls nach Rom gereist sind, deren Ankunft dortselbst ich noch nicht erfahren habe, konnten die unbeschuhten Väter so wenig geben, daß außer meinem Beitrag das Kloster zu Veas noch hundertfünfzig Dukaten beisteuerte. Es ist eine große Gnade von unserem Herrn, daß einige unserer Klöster dieser Not abhelfen können. Schließlich kommt ja doch so etwas nur einmal im Leben vor.
Von Madrid aus schreibt mir Pater Nikolaus, er habe eine Person gefunden, die ihm zuliebe von der Aussteuer der Schwester Maria vom heiligen Joseph zweihundert Dukaten zur Bezahlung übernähme, wenn das Kloster zu Valladolid ihm einen Schuldschein zusenden würde. Damit gibt sich jene Person zufrieden, wenn sie auch das Geld erst nach längerer Zeit zurückerhält. Ich habe dies für ein großes Glück angesehen, und so bitte ich Sie um der Liebe willen, gleich nach der Ankunft dieses Briefes einen Notar kommen zu lassen; dieser möge eine rechtskräftige Beglaubigungsurkunde über die Profeß dieser Schwester ausfertigen — denn ohne diese läßt sich nichts machen —, und Sie sollen mir diese Urkunde mit dem Zahlungsschein sogleich senden. Diese beiden Schriftstücke sollen aber nicht auf ein und demselben Papier, sondern getrennt abgefaßt sein. Sie werden selbst sehen, wie viel daran liegt, daß dies möglichst bald geschieht.
Wenn Sie vielleicht meinen, daß man von Ihnen zuviel verlange, und fragen, warum denn nicht alle Klöster beisteuern, so antworte ich darauf, daß jedes so viel gibt, als es vermag; und wenn eines von ihnen nichts beisteuern kann wie das hiesige, so gibt es nichts. Eben deshalb tragen wir alle dasselbe Ordenskleid, damit wir einander unterstützen. Denn was einem Kloster gehört, ist Eigentum aller; und jenes Kloster gibt viel, das so viel gibt, als es vermag. Zudem sind die jetzigen Ausgaben so groß, daß Sie staunen würden, wenn Sie davon Kenntnis hätten. Die Schwester Katharina von Jesu kann Ihnen davon erzählen; wenn die Klöster nicht zusammenhalten, so kann ich mit meinem lahmen Arme das Geld nicht aufbringen, das wir bedürfen; es fällt mir schon schwer genug, zu betteln und das Geld einzutreiben. Ja, es ist dies für mich eine wahre Qual, die ich nur um Gottes willen auf mich nehmen kann.
Außer dieser Summe muß ich jetzt noch zweihundert Dukaten zusammenbringen, die ich dem Kanonikus Montoya versprochen habe; dieser hat uns [durch seine Dienste] gleichsam das Leben gerettet. Gott gebe, daß dies hinreicht und wir mit unseren Zahlungen endlich fertig werden! Es ist ein großes Werk der göttlichen Erbarmung, daß wir uns durch Geld vollständigen Frieden erkaufen können.
Was ich hier gesagt habe, ist durchaus notwendig; was ich aber jetzt noch erwähne, bleibt Ihrem guten Willen anheimgestellt; ich mache Sie nur darauf aufmerksam, daß dies billig zu sein scheint und Gott und die Welt daran Gefallen haben werden.
Sie wissen es selbst, daß Sie die Schwester Maria vom heiligen
Joseph mit Rücksicht auf ihren Bruder, unseren Pater Gracián, ohne Aussteuer in Ihr Kloster aufgenommen haben. Ihre Mutter, die, wie ich erfahren, in großer Not sich befand, hatte den Eintritt der Tochter ins Kloster bis auf die Zeit verschoben, in der sie imstande sein würde, die von ihr versprochenen vierhundert Dukaten aufzubringen. Nun hat sie gedacht, daß Sie in Anbetracht der großen Liebe, die Sie dem Pater Gracián erwiesen, noch weiter gehen werden, damit sie mit diesem Gelde ihrer Dürftigkeit abhelfen könnte. Denn ich versichere Sie, daß sie dieses Geld wohl zu verwenden weiß. Ich wundere mich nicht, daß ihr eben jetzt diese Ausgabe schwerfällt. Sie ist ja so dankbar, daß sie ihrer Erkenntlichkeit nicht genug Ausdruck verleihen kann für das Gute, das Sie ihr erwiesen. Euere Ehrwürden wissen schon, daß die hundert Dukaten, von denen Pater Magister Gracián in dem Briefe redet, den ich Ihnen gesandt habe, von der Mitgift abgezogen werden müssen; denn, wie er sagt, sind die Ausgaben, welche die Mutter für ihre Tochter schon gemacht hat, bis zur Höhe von hundert Dukaten gestiegen. Die Quittung, die Sie mir schicken sollen, muß somit auf dreihundert Dukaten lauten. Ob die Tochter gesetzlich noch als Erbin eintreten werde oder nicht, darum kümmern Sie sich nicht; denn die ganze Familie hat nur eine ausreichende Besoldung durch den König, aber kein Vermögen; und stirbt der Sekretär, dann hat sie gar nichts mehr. Bleibt aber etwas übrig, so sind die Kinder so zahlreich, daß jedes nur sehr wenig erhält, wie mir Doña Johanna nach der Profeß ihrer Tochter selbst schrieb. Ich weiß nicht, ob ich diesen Brief aufbewahrt habe; wenn ich ihn finde, werde ich ihn Ihnen zusenden. Kurz, die Quittung muß wenigstens auf dreihundert Dukaten lauten.
Ich bemerke indessen, daß es gut wäre, wenn Sie einen Zahlungsschein von vierhundert Dukaten ausstellen würden; denn die Mutter wird Ihnen auch die anderen hundert Dukaten zusenden, wenn sie diese auftreibt; sollte dies aber nicht der Fall sein, so hat sie dieses Geld wohl abverdient durch die schrecklichen Prüfungen, die sie um ihres Sohnes willen jetzt und schon früher, seitdem er mit der Visitation unserer Klöster begonnen, ausgestanden hat. Von dem, was wir unserem Pater Gracián schulden, will ich gar nicht reden. Da wir aber schon so viele Nonnen ohne Aussteuer in unseren Orden aufgenommen haben, so ist es doch mehr als billig, daß eine auch ihm zuliebe in dieser Weise aufgenommen werde.
Als die Nonnen von Toledo seine andere Schwester in das Kloster aufnahmen, verlangten sie weder Bett noch Ausstattung noch sonst etwas, und sie hat auch von all dem nichts mitgebracht. Und sie würden auch von Herzen gerne Maria vom heiligen Joseph unter denselben Bedingungen aufgenommen haben, wenn sie bei ihnen hätte eintreten wollen. Denn Gott hat diesen beiden Schwestern so vortreffliche Anlagen und Fähigkeiten verliehen, daß sie ihnen lieber sind als andere mit Aussteuer. Bezüglich der hundert Dukaten können Sie es, wie gesagt, machen, wie Sie es für gut finden; was das übrige betrifft, so läßt sich nicht anders verfahren, da Doña Johanna in großer Dürftigkeit sich befindet.
Sind einmal unsere Angelegenheiten in Ordnung, so muß vor
allem darauf geachtet werden, welche Summe jedes Kloster zu zahlen hat, und man muß jenen Klöstern, die mehr vorgestreckt haben, als sie trifft, den Überschuß wieder zurückerstatten. Dies wird auch bei Ihrem Kloster zutreffen. Jetzt müssen wir einander aushelfen, so gut wir können. Die Mutter Priorin bitte ich, den Schwestern kein Hindernis in den Weg zu legen in dem, was sie geben wollen; denn ich habe das feste Vertrauen zu ihnen, daß sie ebenso gute Töchter des Ordens sind wie die anderen, die so viel geben, als sie vermögen. Gott mache sie alle so heilig, wie ich ihn darum bitte! Amen.
Ihre Dienerin
Theresia von Jesu
Die Schwester Katharina von Jesu soll auf jeden Fall diesen Brief allen Schwestern vorlesen; denn es würde mich sehr verdrießen, wenn man etwas davon ausließe. Sie soll ihnen auch die anderen Briefe aus Rom vorlesen, die hier mitfolgen.
Anschrift: An die Mutter Priorin und die Nonnen, meine Töchter vom Berge Karmel, im Kloster zu Valladolid.
