366. Brief — An Anton Gaytán in Alba de Tormes
Palencia, am 28. März 1581
Glückwunsch zu seinem neuen Stande. Klage darüber, daß er ihr über die gegen ihre Nichte ausgesprochene Verleumdung keine Mitteilung machte. Schwierigkeiten betreffs der Mitgift seiner Tochter.
Jhs
Die Gnade des Heiligen Geistes sei mit Ihnen!
Einen Brief von Ihnen habe ich erhalten, und wäre es nur auf mein Wollen angekommen, so hätte ich Ihnen seither schon öfter geschrieben; allein die Arbeiten und Geschäfte haben mich in den letzten Jahren so sehr in Anspruch genommen, daß ich kaum all meinen Verpflichtungen nachkommen konnte. Gott sei Dank, daß er uns aus allen Schwierigkeiten so gut herausgeführt hat!
Die Mutter Priorin wird Ihnen sagen, wie sehr ich Sie zu der großen Freude beglückwünsche, die Sie in Ihrem neuen Stande, in den Sie Gott geführt hat, empfinden. Gebe Gott, daß Sie ihm darin mit Treue dienen! Es gibt ja in diesem Stande ebensogut Heilige wie in anderen Ständen, und Sie werden, wenn Sie es an sich selbst nicht fehlen lassen, auch einer werden.
Die Klage, die ich gegen Sie vorbringen könnte, besteht darin, daß Sie mir von jener anderen Angelegenheit, nachdem Sie davon Kenntnis erhalten hatten, keine Mitteilung machten. Vielleicht hätten wir in bezug auf einige Unachtsamkeiten Abhilfe schaffen können, so daß das Unheil nicht so groß geworden wäre, das der Teufel dadurch verursacht hat, daß die Verleumdung allgemein bekannt wurde. Würde auch alles der Wahrheit entsprochen haben, was diese Dame ersonnen hat, so hätte sie sich in Anbetracht ihres Standes doch anders betragen und meine Nichte nicht mit solcher Verwegenheit in üblen Ruf bringen sollen. Beim Gerichte Gottes wird alles offenbar werden, worüber wir hier auf Erden kein Urteil fällen können, ohne ihn schwer zu beleidigen. Die Freundschaft zwischen beiden Familien war eine so innige und hatte schon so lange bestanden, daß jene Dame, wenn sie nicht von reiner Bosheit geleitet worden wäre, keinen Grund zu einer so schweren Verleumdung gehabt hätte.
Meine Schwester ist jedem Menschen gegenüber von Natur aus so liebenswürdig, daß sie, wenn sie auch wollte, meiner Ansicht nach gegen niemand hart sein könnte. Andererseits habe ich an ihrer Tochter nie eine so große Ausgelassenheit wahrnehmen können, die sie zur Strenge genötigt hätte, sondern im Gegenteil ein sehr stilles und bescheidenes Betragen.
Ich habe in Wahrheit mit jener Dame und ihrer Mutter nur wenig Verkehr gehabt, aber ich habe einen sehr heftigen Schmerz über die Beleidigung Gottes empfunden, die jene begangen haben müssen, die die Verleumdung weiter verbreitet haben. Meine Schwester schwöret mir hoch und teuer, daß dies nur eine Verleumdung sei, und ich glaube es ihr auch, da sie nicht lügt. Niemand in Alba würde auch das Recht haben, sie so schändlich zu behandeln; nur ihre Armut ist die Ursache, daß man sie allgemein so gering achtet. Gott läßt dies so zu, damit sie durch Leiden aller Art geprüft werde; sie ist in der Tat eine Martyrin in diesem Leben. Möge Gott ihr Geduld verleihen! Käme es auf mich an, so würde ich, obwohl das Ganze nur eine Verleumdung ist, sicherlich alle Anlässe dazu entfernen; allein ich vermag in dieser Hinsicht so wenig. Nur ein Mittel stünde mir, falls ich etwas tun wollte, zu Gebote, nämlich diese Angelegenheit Gott zu empfehlen. Aber in Anbetracht meiner Armseligkeit bin ich, wie Sie sehen, zu gar nichts nutz. Es hat selbst mir nichts genützt, Ihre Dienerin zu sein, da Sie mir, ich wiederhole es, nicht schon gleich von Anfang an von dieser Angelegenheit Mitteilung machten.
Wenn Sie sagen, ich sei mit Ihnen nicht mehr so wie früher, so weiß ich nicht, wie Sie auf eine solche Meinung kommen können; denn ich nehme noch immer an allen Ihren Angelegenheiten den regsten Anteil; und was ich nicht im Werke zur Ausführung bringen kann, das spreche ich in Worten aus, indem ich immer die großen Verdienste hervorhebe, die Sie sich um uns erworben haben; das ist volle Wahrheit. Sie haben sich in einer Weise mir entfremdet, daß ich darüber staunen muß. Freilich verdiene ich nichts anderes.
Sie haben der Mutter Priorin, wie sie mir mitteilte, gesagt, Sie wären mit mir bezüglich der Aussteuer jenes kleinen Engels, der sich im Kloster zu Alba befindet, schon übereingekommen. Es mag dies wohl sein, aber ich kann mich daran nicht mehr erinnern; nur das ist mir noch gegenwärtig, daß Sie erklärten, Sie wollten alle Ihre Güter diesem Kinde vorbehalten und könnten ihm siebenhundert Dukaten frei von jeder Belastung geben; dies habe ich noch lebhaft im Gedächtnis, weil ich Ihnen eine Gefälligkeit erweisen wollte, und ich freute mich über eine so reiche Aussteuer, weil ich vom damaligen Visitator, Pater Gracián, die Erlaubnis zur Aufnahme zu erhalten wünschte. Darum schrieb ich ihm auch in diesem Sinne und verwendete mich nach Kräften für diese Angelegenheit. Denn mit Ausnahme der Casilda, der Teresita und einer kleinen Schwester des Paters Gracián ist nie ein so junges Mädchen in unsere Klöster eingetreten, und ich hätte auch nie meine Zustimmung dazu gegeben. Jetzt habe ich nicht mehr dieselben Vollmachten bezüglich der Klöster wie früher; jetzt hängen derlei Dinge nach dem Wortlaut der uns gegebenen Satzungen von der Abstimmung der Nonnen selbst ab. Man kann Ihrer Tochter das Ordenskleid nicht geben, bevor sie nicht das zwölfte Lebensjahr vollendet hat, und sie auch vor dem sechzehnten Lebensjahr zur Profeß nicht zulassen. Wir können darum jetzt nicht weiter darüber reden.
Suchen Sie die Nonnen bezüglich der Verpflegungskosten Ihrer Tochter in etwa sicherzustellen! Denn sonst könnten Sie, da Sie auch noch andere Ausgaben zu machen haben, leicht in die Lage kommen, daß Sie diese nicht aufzubringen vermögen, wenn Sie wollen. Wie die Nonnen mir berichten, ist es schon, ich weiß nicht wie lange her, daß Sie ihnen nichts mehr gegeben haben, und darum könnten sie leicht auf den Gedanken kommen, es möchte mit der Aussteuer das gleiche geschehen. Läge es an mir, so würde ich Ihnen in dieser Beziehung sicher nicht viel Mühe machen. Unser Herr verleihe Ihnen die Ruhe, die ich Ihnen wünsche! Amen.
Aus dem St.JosephsKloster zu Palencia, am letzten Osterfeiertage.
Ihre unwürdige Dienerin
Theresia von Jesu
